Die Diskussion rund um PFAS in Verpackungen hat in den letzten Monaten deutlich an Dynamik gewonnen. Spätestens mit den Grenzwerten der PPWR stehen viele Unternehmen vor der gleichen Frage:
Wie lassen sich PFAS in flexiblen Verpackungen zuverlässig nachweisen – und welche analytische Vorgehensweise ist sinnvoll?
Im Rahmen eines Inno-Talks hat Dr. Tim Schlüter (Innoform Testservice) den aktuellen Stand der Analytik vorgestellt. Die zentrale Erkenntnis daraus:
„Es gibt derzeit keine harmonisierte Analysenmethode – aber es gibt praktikable Wege, PFAS belastbar einzugrenzen.“
Genau hier setzt das erweiterte Prüfangebot im Innoform Testservice an.
PFAS-Analytik: Herausforderung und Realität
PFAS umfassen eine sehr große Stoffgruppe mit mehreren tausend potenziellen Verbindungen. Eine vollständige Einzelstoffanalyse ist daher in der Praxis kaum umsetzbar.
Gleichzeitig fordert die PPWR klare Grenzwerte für Verpackungen mit Lebensmittelkontakt. Daraus ergibt sich ein Spannungsfeld:
- sehr niedrige Grenzwerte
- komplexe Stoffgruppen
- fehlende standardisierte Prüfmethoden
Die Analytik muss daher pragmatisch vorgehen und mit geeigneten Screening-Strategien arbeiten.
Zusatzherausforderung bei Polyolefinen
Besonders relevant ist dies für Polyolefine wie PE und PP, die einen großen Anteil flexibler Verpackungssysteme ausmachen.
In der Praxis werden PFAS hier häufig gezielt eingesetzt:
- bereits im Rohstoff als Additiv
- während der Folienextrusion als Verarbeitungshilfe
Ziel dieser sogenannten Processing Aids ist es,
- die Schmelzeigenschaften zu verbessern
- den Materialfluss im Extruder zu stabilisieren
- die Oberflächenqualität der Folie zu optimieren
Diese funktionalen Zusätze können dazu führen, dass auch bei vermeintlich unkritischen Materialien messbare Fluorgehalte auftreten.
Für die Bewertung bedeutet das:
PFAS-Einträge sind häufig systembedingt und nicht immer vollständig dokumentiert. Eine analytische Überprüfung ist daher notwendig.
Gesamtfluor als Schlüssel zur schnellen Orientierung
Ein zentraler Ansatz ist die Bestimmung des Gesamtfluorgehalts (Total Fluorine, TF).
Dieser ermöglicht:
- eine schnelle Einschätzung potenzieller PFAS-Gehalte
- eine Priorisierung von Materialien
- eine gezielte Auswahl weiterer Prüfungen
Die Methode basiert auf der Verbrennung der Probe mit anschließender Bestimmung des Fluorgehalts.
Vorteil
- Erfassung aller fluorhaltigen Bestandteile
- unabhängig von bekannten Einzelstoffen
- geeignet als Screeningmethode
Einschränkung
- keine direkte Aussage über einzelne PFAS
- weitere Analyseschritte erforderlich
Differenzierung: Wo steckt das relevante Fluor?
Zur genaueren Bewertung wird der Gesamtfluorgehalt weiter differenziert in:
- anorganisches Fluor (TIF)
- organisches Fluor (TOF)

Der organische Fluoranteil ist dabei besonders relevant, da hier mögliche PFAS enthalten sind. Dieser wird aus der Differenz von Gesamtfluor und anorganischem Fluor abgeleitet.
Das Verfahren erfordert:
- reproduzierbare Messbedingungen
- abgestimmte Temperaturführung
- Erfahrung in der Interpretation
Grenzen der aktuellen Methodik
Die im regulatorischen Umfeld diskutierten Verfahren sind nicht uneingeschränkt geeignet.

Insbesondere zeigen sich Einschränkungen bei:
- unvollständigen Umsetzungen einzelner Verfahren
- methodischen Unterschieden zwischen Leitlinien und praktischer Umsetzung
Die Analytik liefert daher vor allem eines:
eine belastbare Orientierung, aber noch keine vollständige Standardisierung.
Praxisfrage aus dem Inno-Talk
Eine häufig gestellte Frage aus dem Inno-Talk lautete:
Muss geprüft werden, wenn keine PFAS absichtlich eingesetzt werden?
Die Antwort ist eindeutig:
- Entscheidend ist der PFAS-Gehalt im Material
- die Herkunft der Substanz ist regulatorisch zweitrangig
Auch unbeabsichtigte Einträge aus Rohstoffen, Additiven oder Prozessen müssen berücksichtigt werden.
Innoform Testservice: Erweiterte Kapazitäten für PFAS-Analysen
Um den steigenden Anforderungen gerecht zu werden, hat der Innoform Testservice seine Kapazitäten erweitert.
Aktuell können wir:
- Gesamtfluor-Bestimmungen routinemäßig durchführen
- Differenzierungen zwischen anorganischem und organischem Fluor anbieten
- Materialien systematisch hinsichtlich PFAS-Risiken bewerten
- auch größere Probenumfänge kurzfristig bearbeiten
Damit stellen wir die notwendige analytische Kapazität bereit, um Unternehmen eine fundierte Orientierung zum PFAS-Gehalt ihrer Verpackungen zu geben.
Inno-Talk als Aufzeichnung verfügbar
Die Inhalte dieses Beitrags basieren auf dem Inno-Talk zur PFAS-Analytik mit Dr. Tim Schlüter.
Die Aufzeichnung ist weiterhin abrufbar und bietet:
- detaillierte Einblicke in die Prüfmethoden
- praktische Beispiele
- Antworten auf typische Fragestellungen aus der Industrie
Fazit
Die regulatorischen Anforderungen sind definiert, die analytischen Standards entwickeln sich noch.
Für Unternehmen bedeutet das:
- strukturiert vorgehen
- Risiken verstehen
- Analytik gezielt einsetzen
Die Gesamtfluorbestimmung bietet hierfür einen praktikablen Einstieg.
Mit den erweiterten Kapazitäten unterstützt der Innoform Testservice dabei,
PFAS in flexiblen Verpackungen verlässlich einzuordnen und fundierte Entscheidungen zu treffen.


