Schadensanalytik beginnt mit der Materialanalyse: Was Verpackungen über ihre Fehler verraten

Qualitätsprobleme bei Verpackungen treten selten ohne Vorwarnung auf. Plötzlich öffnet sich eine Siegelnaht unerwartet, der Verbund löst sich, Barriereeigenschaften verschlechtern sich oder Verarbeitungsprobleme häufen sich in der Produktion. Die sichtbaren Symptome sind oft eindeutig – die tatsächlichen Ursachen dagegen nicht.

Genau hier beginnt die Schadensanalytik. Und in vielen Fällen führt der erste Weg zur Materialanalyse.

Warum die eigentliche Ursache häufig verborgen bleibt

Tritt ein Fehler auf, richtet sich der Fokus häufig zunächst auf den Produktionsprozess. Wurden Maschinenparameter verändert? Gab es Schwankungen in der Verarbeitung? Sind die Bedingungen im Lager verantwortlich?

Diese Fragestellungen sind wichtig. Dennoch zeigt die Praxis immer wieder, dass die eigentliche Ursache oft im Material selbst liegt.

Bereits kleine Änderungen im Rohstoff, im Schichtaufbau oder in den Materialeigenschaften können erhebliche Auswirkungen auf die Funktion einer Verpackung haben. Das Problem: Solche Veränderungen sind mit bloßem Auge meist nicht erkennbar.

Eine systematische Materialanalyse hilft dabei, Vermutungen durch Fakten zu ersetzen.

Typische Schadensbilder bei flexiblen Verpackungen

Viele Qualitätsprobleme lassen sich auf einige wiederkehrende Schadensbilder zurückführen.

Lassen Sie den Schaden durch geeigneter Analytik sprechen und verstehen Sie dadurchFehler tiefgründig, bevor Maßnahmen umgesetzt werden..
Karsten Schröder

Delamination von Verbundmaterialien

Lösen sich einzelne Schichten voneinander, können Haftvermittler, Klebstoffe oder Prozessparameter die Ursache sein. Auch Materialänderungen auf Lieferantenseite sind denkbar.

Auffälligkeiten beim Siegeln

Unzureichende Nahtfestigkeiten oder instabile Siegelparameter können auf Veränderungen der Siegelschicht, Kontaminationen oder ungeeignete Materialkombinationen hinweisen.

Veränderung von Barriereeigenschaften

Steigen Sauerstoff- oder Wasserdampfdurchlässigkeiten unerwartet an, lohnt sich ein genauer Blick auf den Schichtaufbau und die verwendeten Barrierewerkstoffe.

Verarbeitungsprobleme

Faltenbildung, Bahninstabilität oder unerwartete Reibungseigenschaften können ihre Ursache in Materialschwankungen oder abweichenden Rohstoffqualitäten haben.

In all diesen Fällen stellt sich dieselbe Frage: Entspricht das Material tatsächlich den erwarteten Eigenschaften?

Die Materialanalyse als Werkzeug der Ursachenforschung

Moderne Analysen ermöglichen einen deutlich tieferen Einblick als klassische Wareneingangsprüfungen.

Materialidentifikation mittels FTIR

Mit Hilfe der Infrarotspektroskopie (FTIR) lassen sich Kunststoffe und andere Materialien identifizieren und miteinander vergleichen.

Dadurch kann überprüft werden, ob die eingesetzten Werkstoffe tatsächlich den vorgesehenen Materialien entsprechen oder ob Abweichungen vorliegen.

Untersuchung des Schichtaufbaus

Gerade bei Verbundfolien entscheidet die genaue Zusammensetzung über die spätere Funktion der Verpackung.

Mikrotomschnitte und mikroskopische Untersuchungen machen einzelne Schichten sichtbar und ermöglichen Aussagen zu Materialkombinationen, Schichtdicken und Strukturaufbau.

Thermische Analysen

Verfahren wie die DSC-Analyse (Differential Scanning Calorimetry) liefern Informationen über Schmelzverhalten, Kristallinität und Materialzusammensetzung.

Dadurch können Unterschiede zwischen Soll- und Ist-Zustand erkannt werden, die sich direkt auf Verarbeitung und Funktion auswirken.

Warum Vermutungen oft teuer werden

In der Reklamationsbearbeitung entsteht häufig Zeitdruck. Produktionsstillstände, Lieferengpässe oder Qualitätsabweichungen erfordern schnelle Entscheidungen.

Genau hier liegt jedoch ein Risiko: Werden Ursachen lediglich vermutet, besteht die Gefahr, dass Maßnahmen an den falschen Stellschrauben ansetzen.

Maschinenparameter werden angepasst, Prozesse verändert oder Lieferanten gewechselt, ohne die tatsächliche Ursache eindeutig identifiziert zu haben.

Eine fundierte Materialanalyse schafft dagegen eine belastbare Entscheidungsgrundlage und verkürzt häufig den Weg zur eigentlichen Problemlösung.

Materialanalyse ist mehr als Reklamationsbearbeitung

Schadensanalytik wird oft erst dann beauftragt, wenn bereits ein Problem entstanden ist. Dabei kann Materialanalyse auch präventiv eingesetzt werden.

Typische Anwendungsfelder sind:

  • Überprüfung neuer Lieferantenmaterialien
  • Vergleich von Alternativqualitäten
  • Absicherung von Materialumstellungen
  • Bewertung von Rezyklatanteilen
  • Qualitätsüberwachung im Wareneingang
  • Dokumentation bei kritischen Anwendungen

Wer Materialeigenschaften frühzeitig versteht, kann viele spätere Probleme vermeiden.

Fazit

Verpackungen geben Hinweise auf ihre Fehler – man muss sie nur richtig lesen können. Während sichtbare Schadensbilder häufig lediglich Symptome darstellen, liegen die eigentlichen Ursachen oft im Materialaufbau oder in veränderten Materialeigenschaften.

Die Materialanalyse liefert die notwendigen Fakten, um Qualitätsprobleme fundiert zu bewerten und die Ursachen systematisch einzugrenzen. Sie ist damit ein zentrales Werkzeug der Schadensanalytik und unterstützt Unternehmen dabei, fundierte Entscheidungen zu treffen statt auf Vermutungen zu reagieren.

Unser Tipp

Wenn Qualitätsabweichungen auftreten oder Materialänderungen vermutet werden, lohnt sich ein analytischer Blick auf die Verpackung selbst. Moderne Prüfverfahren können wertvolle Hinweise liefern und helfen, Ursachen schneller und sicherer zu identifizieren.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Was ist eine Materialanalyse bei Verpackungen? +

Die Materialanalyse identifiziert die chemische Zusammensetzung, den Schmelzpunkt (DSC) und den genauen Schichtaufbau von Verpackungsfolien mittels spektroskopischer und mikroskopischer Methoden.

Wann hilft die Schadensanalytik weiter? +

Sie hilft bei Reklamationen wie Siegelnahtbrüchen, Delamination (Ablösen der Folienschichten) oder unzureichenden Barriereeigenschaften, um die genaue Fehlerursache zu finden und teure Prozessfehler zu beheben.

Welche Geräte werden für die Materialanalyse genutzt? +

Zu den Standardgeräten im akkreditierten Labor gehören FTIR-Spektrometer zur Werkstoffidentifikation, DSC-Messgeräte zur Thermoanalyse sowie hochauflösende Lichtmikroskope für Schichtdickenmessungen an Dünnschliffen.

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Mikrotomschnitte bei der Schadensanalyse bilden den Anfang der Erkenntnisse