Schlagwort: Verpackungsindustrie

  • Systemrelevanz in der Corona-Krise – welche Maßnahmen ergreifen andere EU-Länder?

    Systemrelevanz in der Corona-Krise – welche Maßnahmen ergreifen andere EU-Länder?

    Dass Lebensmittelverpackungen systemrelevant sein müssen, um die Lebensmittelversorgung während der Corona-Krise zu sichern, das sehen die einzelnen EU-Länder unterschiedlich. Die European Organization of Packaging and Environment hat eine Übersicht zusammengestellt, welche Maßnahmen für die Verpackungsindustrie bei unseren EU-Nachbarn ergriffen werden. Einzelheiten lesen Sie hier.

    Karen van Wuellen

  • Wir müssen handeln:  Nachbericht zum 18. Inno-Meeting

    Wir müssen handeln: Nachbericht zum 18. Inno-Meeting

    Das Raumschiff Erde ist vom Nachschub abgeschnitten. Die Menschheit verbraucht mehr Ressourcen, als ihr zur Verfügung stehen. Rohstoffknappheit, Entsorgungsströme, der Umgang mit Wertstoffen, Umweltschutz, der Verbrauch zu vieler Erden – diese Schlagwörter bestimmen die Berichterstattung in den öffentlichen Medien.

    Die Verpackungsbranche steht unter medialem Beschuss: die Konsumentenwahrnehmung wird fehlgeleitet, und Kunststoffverpackungen sind böse. „Aber wie kann eine in Hochhäusern gestapelte Menschheit ernährt werden, wenn es keine Verpackungen gäbe?”, fragte Karsten Schröder bei der Einführung in die beiden Tage.

    Handeln! Das war das Schlagwort des 18. Inno-Meetings am 13./14. Februar in Osnabrück. Was ist mit Handeln gemeint: Müssen wir handeln, wollen wir handeln, sind wir vom Handel abhängig oder müssen wir über den Handel und das Handeln von Waren reden?

    Die gesamte Wertschöpfungskette der Verpackungsindustrie war vertreten. Die Referenten schilderten die spezifischen Herausforderungen, Anstrengungen und Lösungen, um die gesetzten Nachhaltigkeitsziele zu erreichen und gleichzeitig die über viele Jahrzehnte gewonnenen Erfolge mit Verpackungen zu bewahren.

    Die Natur lässt nicht mit sich handeln! Nur durch einen Ausgleich und eine Verbesserung der CO2-Bilanz können Unternehmen nachhaltig(er) werden. Das Klimaziel für Deutschland ist bis 2025 verschoben. Ein erster Schritt ist die Verbesserung und der Ausgleich der CO2-Bilanz. Walter Pohl, Climate Partners, erläuterte in seinem Vortrag, wie die CO2-Bilanz eines Unternehmens berechnet wird und durch Klimaschutzprojekte ausgeglichen werden kann. Neben dem Klimaschutz ist der positive Effekt die Kostenersparnis, denn je mehr vermieden und reduziert wird, desto weniger muss ausgeglichen werden. Lieferanten werden sensibilisiert, und der Effekt potenziert sich.

    Heiko Hünemeyer, A. Moras & Comp. GmbH & Co. KG, handelt bereits. Er versteht das Nachhaltigkeits-Engagement als eine generationsübergreifende Verpflichtung. Das Thema Nachhaltigkeit ist seit Jahren im Unternehmen verankert. Seit 2015 liefert Moras seine Produkte ohne Mikroplastik aus. In Kooperation mit Climate Partner produziert die Firma seit 2018 komplett klimaneutral und ist seit 2019 plastikfrei.

    Am Beispiel seiner Verpackungen schilderte er eindrucksvoll, wie er dieses Ziel erreicht hat. Die Firma Schaebens (A. Moras & Comp. GmbH & Co. KG) hat die CO2-Emissionen unterschiedlicher Verpackungsformen berechnen lassen und daraufhin die Rezeptur auf die Verpackungen ausgerichtet/zugeschnitten.

    Heiko Hünemeyer sieht in der Nachhaltigkeitsstrategie nicht nur eine generationsübergreifende Verpflichtung, sondern berichtete auch von Wettbewerbsvorteilen beim Konsumenten und auf dem Arbeitsmarkt. Positiver Nebeneffekt ist die Kosteneinsparung beim Dualen System durch gesunkene Abgaben. Besonderes Augenmerkt legte er auf die Differenzierung bei der CO2-Bilanz. Je nach Produkt, Vertriebs- und Anwendungsstrategie, sind unterschiedliche Verpackungslösungen optimal. Hier kann nur der Experte vernünftige Abschätzungen errechnen. Es gibt nicht die Optimalverpackung für alles.

    Karsten Schröder, Moderator und Firmeninhaber der Innoform Coaching GbR, sieht in Verpackungen einen Baustein unseres Wohlstands. Einerseits stehen Verpackungen unter Druck und keiner will sie, andererseits kommen wir ohne sie nicht mehr aus: „Denn wie kann eine stetig wachsende Menschheit, die vorzugsweise in Städten wohnt, ernährt werden, wenn es keine Verpackungen gäbe?”

    Während es 1950 kaum Verpackungsabfälle gab, und das Hausschwein mit dem Biomüll gemästet wurde, ist das Entsorgungssystem durch den grünen Punkt legitimiert, und die Abfallquote steigt an.

    Wie kann die Verpackung uns nach dem Gebrauch noch nützen? Ganz einfach: Die Verpackung muss sich verändern. Karsten Schröder vergleicht die Verpackung mit einer Materialbank: Die Verpackung/das Material wird dem Konsumenten geliehen und geht nach Gebrauch zum Hersteller zurück. So bleibt der Wert des Materials erhalten, und dabei steigt Wachstum sogar an. Seiner Meinung nach müssen Verpackung und Produkt eine Einheit werden, die sich über die Ökologie, das Produkt und die Marke definiert. Auch er sieht in der Nachhaltigkeit eine neue Pflicht und Chance gleichermaßen: sozial, ökonomisch und ökologisch. Die Idealverpackung muss auch nach dem Gebrauch noch nützlich sein.

    Wissen generieren, Wissen teilen, Märkte verändern. Das ist die Mission der Edeka-Partnerschaft mit dem WWF. Im Rahmen ihrer gemeinsamen Nachhaltigkeitsstrategie arbeiten der WWF und Edeka seit zehn Jahren daran, den ökologischen Fußabdruck von Edeka auch im Verpackungsbereich zu optimieren. Welche Erwartungen der WWF an Unternehmen stellt, und wie eine gelungene Nachhaltigkeitsstrategie mit Eigenmarken gemeinsam umgesetzt werden kann, erläuterte Dr. Marina Beermann, WWF-Leiterin der Edeka-Partnerschaft. So hat der Verzicht von Verpackungen oberste Priorität. Nicht vermeidbare Verpackungen sind auf ein effizientes und effektives Ressourcenmanagement ausgelegt, und keine Verpackung fällt als Abfall an, sondern ihre Materialien werden als Ressource möglichst lange sowohl quantitativ als auch qualitativ in Stoffströmen geführt. Um Einfluss auf vorgelagerte Lieferketten nehmen zu können, müssen Nachhaltigkeitskriterien – z. B. nachwachsende Rohstoffe, die nicht in Konkurrenz zu Lebensmitteln stehen – in Form glaubhafter Zertifizierungssysteme geschaffen werden. Zum Vorantreiben des Recyclings wünscht sich der WWF eine Harmonisierung von Verpackungen und ihren Komponenten und Dialog und Aufklärung entlang der gesamten Wertschöpfungskette.

    Dr. Wolfgang Jeschke, GC Graphic Consult GmbH, berichtete über die Möglichkeiten der Smart Packaging für smarteren Handel. Aufgrund des demographischen Wandels hat sich das Einkaufsverhalten drastisch verändert. Zwar erschweren RFID-Chips die Kreislauffähigkeit, andererseits können aktive Verpackungen mit dem Füllgut in Wechselwirkung treten und der Lebensmittelvernichtung vorbeugen, indem sie z. B. die Kühlkette überwachen und – besonders wichtig bei Pharmaverpackungen – fälschungssicher sind. Auch das verlangt Handeln und Entwicklungskraft.

    Karlheinz Hausmann und Dr. Heiko Schenck, Dow, sehen auch die Rohstoffhersteller in der Pflicht: Dow will erneuerbare und rezyklierte Materialien in die Produktion aufnehmen und hat sich verpflichtet, bis 2025 100.000 t Kunststoffrezyklat in der EU anzubieten. So hat Dow neue Technologien entwickelt, um Polymere aus Recyclingströmen in den Markt zu bringen. Auch werden Materialien und Zusatzstoffe entwickelt, die das Recycling insgesamt begünstigen.

    Birte Surborg, Sealed Air, hob hervor, dass die Art des Handels und die Lieferkette sich verändert haben. Eine verkürzte Prozessdauer und der Zeitpunkt von der Bestellung bis zur Auslieferung bedeuten neue Herausforderungen für Unternehmen: Es müssen effizientere Pick-, Pack- und Versandoptionen geschaffen und zu hohe Verpackungs- und Logistikkosten reduziert werden.

    Sealed Air liefert u. a. Verpackungsmaschinen, die produktgrößenabhängig insbesondere für den Online-Handel in Kartons verpackt. Das bedeutet für den Endkunden ein frustfreies Auspackerlebnis durch weniger Verpackung, eine schnelle Entsorgung sowie ein optimiertes Verhältnis von Volumen und Gewicht.

    „Verpackungshersteller müssen den Rezyklierern das Leben einfacher machen. Nur Mono-Material-Laminate aus PE oder PP sind derzeit die einzige realistische Lösung für unsere Umweltprobleme mit flexiblen (Hochbarriere-)Verpackungen. Prof. Achim Grefenstein, Constantia, berichtete über recyclingfähige Hochbarriere-Verbunde für Lebensmittelverpackungen. Er klärte auf über die Nachteile von Papier-, bioabbaubaren und recyclingfähigen Verpackungen aus PE und PP, die der breiten Öffentlichkeit nicht bekannt sind. Nur Recycling und geringere Materialvielfalt sind die Lösung. Constantia hat die weltweit erste Fabrik zur Herstellung rezyklierbarer Mono-PE-Verpackungen in Indien gebaut. Das neue Material ersetzt nicht rezyklierbare Mischkunststoffe, womit die Wertschöpfung beim Recycling erhöht wird.

    Prof. Markus Schmid, Hochschule Albstadt, stellte aus der anwendungsorientierten Forschung Handlungsansätze für nachhaltigere Lebensmittelverpackungskonzepte vor. Am Beispiel einer Schnittkäseverpackung veranschaulichte er, dass Produktverluste höhere CO2-Emissionen verursachen als durch Vermeidung überflüssiger Verpackungen eingespart werden kann. Die Verpackung muss das Produkt ausreichend schützen, aber nur durch optimierte Materialeigenschaften kann Material reduziert werden, und das Material darf nur ersetzt werden, wenn der Produktschutz gewährleistet ist. Eine Lösung sind auf Molkenprotein basierte Folien. So wird aus einem Abfallprodukt eine nachhaltige Verpackung mit guten Barriereeigenschaften, die zu 100 % recyclebar ist – so zumindest das Entwicklungsziel auf Basis der vielversprechenden Ansätze.

    Mangelndes Kunststoff-Recycling ist ein akutes, globales Problem. Weltweit werden weniger als 10 % der Kunststoff-Verpackungsabfälle recycelt. Der Rest wird verbrannt, endet auf Deponien oder gelangt unkontrolliert in die Umwelt. Somit steigt der politische und gesellschaftliche Druck nach einem nachhaltigeren Umgang mit Verpackungen, mit dem Ziel, eine geschlossene Kreislaufwirtschaft zu erreichen.

    Technologien für gemischte Abfälle müssen noch entwickelt werden, so dass Multi-Layer Verpackungen eine Herausforderung darstellen. Florian Riedl, APK, stellte ein innovatives Verfahren vor, mit dem PE- und PP-Rezyklate für Verpackungsanwendungen nur durch chemisches Recycling hergestellt werden können.

    Durch ein spezielles Löseverfahren können die einzelnen Polymertypen in Kunststoffverbunden (z. B. Mehrschichtfolien) und gemischten Kunststoffabfällen separiert werden. Das Ergebnis sind sortenreine, saubere Kunststoff-Granulate mit Neuwarencharakter, die für Non-Food-Verpackungen eingesetzt werden können.

    Colorcon stellt erstmals für Lebensmittelkontakt geeignete Druckfarben vor, die bei allen Druckverfahren eingesetzt werden können. Steve Walpuski, Colorcon, machte deutlich, dass in einigen Fällen auf mehrschichtige Folienverbunde und kompliziertes Recycling verzichtet werden kann, wenn Lebensmitteldirektkontaktfarben verwendet werden. Durch diese Funktionscoatings kann z. B. auch die Innenseite von Joghurtdeckeln als Werbefläche genutzt und so auf überflüssiges Verpackungsmaterial verzichtet werden.

    Auch die Maschinenbauer sehen sich in der Pflicht, die Kunden fordern Lösungen für neue Maschinen für die Herstellung innovativer Verpackungsmaterialien.  Andrea Glawe, Kroenert, berichtete über neue Systemlösungen, wie z. B. Beschichtungsanlagen im Reinraum oder die Möglichkeit einer doppelseitigen Silikonisierung von Papier in einem Arbeitsgang.

    Erwin Jochim, Morchem, warnte davor, keinen blinden Aktionismus zu starten. Wiederholtes Recyceln birgt auch Gefahren: Vor dem Hintergrund von NIAS (nicht absichtlich zugesetzter Substanzen) können unbekannte Fremdstoffe und Spurenelemente die Rezyklate verunreinigen und damit die Sicherheit gefährden. Er hinterfragte kritisch, ob es nicht besser sei, die Kunststoffe an zentraler Stelle zu sammeln und thermisch zu entsorgen. Warum sollen bewährte Prozesse zu Lasten der Sicherheit über Bord geworfen werden? Der Produktschutz hat immer im Vordergrund zu stehen. Außer beim PET sind bisher genau aus diesen Bedenken heraus Rezyklate für Lebensmittelverpackungen (noch) nicht zugelassen.

    Kurt Stark, Buergofol, betonte, dass das Verpackungsgesetz außer Kosten nichts gebracht hat und die Industrie weiterwächst. Warum werden Plastiktüten aus PE verboten, obwohl sie am besten zu recyceln sind, ideale Eigenschaften haben und nur die Entsorgung noch ungeregelt abläuft? Ob die angestrebten Recycling-Quoten erreicht werden, stellte er in Frage. Solange Abfall noch einen Wert hat, ist es kein Müll.

    Jede Medaille hat zwei Seiten: Trotz des Willens, Verpackungen zu vermeiden, steigt der Verbrauch stetig an. Da scheint ein Konstruktionsfehler im Anreizsystem vorzuliegen.

    Alle Teilnehmer konnten die Tagung mit ihrem Live-Feedback aktiv mitgestalten.

    Die große Bandbreite der Teilnehmer bot fachlich, inhaltlich und persönlich während der Pausen und des gemeinsamen Abends in der Hausbrauerei Rampendahl ideale Austauschmöglichkeiten. Sie lobten das hervorragende und abwechslungsreiche Vortragsprogramm. Auch (selbst-)kritische Ansätze kamen nicht zu kurz. Die Veranstaltung verschaffte einen sehr informativen und guten Überblick zu Trends und Aktivitäten der gesamten Wertschöpfungskette/supply chain hinsichtlich Circular Economy.

    Fazit

    Die Verpackungsbranche muss eine gemeinsame Lobby und Lösungswege entwickeln, und das braucht mehr Kooperation. Der katastrophalen Wahrnehmung von Kunststoffen in der breiten Öffentlichkeit kann nur durch gezielte Weiterentwicklung und sachliche Berichterstattung begegnet werden. Verpackungen müssen auf das Wesentliche reduziert werden. Rohstoffhersteller können nur aktiv werden, wenn sie von der Politik mitgetragen werden.

    Einige Forderungen aus den Vorträgen sind:

    • Dem Raumschiff Erde gehen Ressourcen und vor allem die Luft aus
    • Verpackungen müssen sich verändern und auf das Wesentliche reduziert werden
    • Die Gesamttonnage an Kunststoffen, die in die Umwelt gelangen, muss sinken.
    • Es müssen Nachhaltigkeitskriterien in Form glaubhafter Zertifizierungssysteme geschaffen werden
    • Nachhaltigkeit ist die neue Pflicht und birgt Chancen für neue Geschäftsideen: sozial, ökologisch und ökonomisch
    • Abfallvermeidungsziele müssen von der Politik klar definiert und kontrolliert werden
    • Rohstoffhersteller können aktiv werden, wenn sie von der Politik mitgetragen werden
    • Entwicklung neuer Technologien zur Entwicklung gemischter Abfallströme sind in Arbeit
    • Die Kunststoffbranche sollte wie die Papierindustrie mehr mit einer Stimme sprechen und nach tragfähigen Leitbildern handeln
    • Flexpack kann umweltschädlichere Verpackungslösungen nach wie vor im großen Umfang ersetzen. Wir sollten nun nicht wieder in die 1990er Jahre und einen Papierboom unreflektiert umschwenken
    • Recycling und geringere Materialvielfalt sind ein wesentlicher Teil der Lösung
    • Insgesamt muss es weniger (überflüssige) Verpackungen geben. Die Flexpackindustrie kann helfen, diesen Zielkonflikt zu lösen, da Flexpack oft die Minimalverpackung darstellt

    Save the date

    Mit einem Dank an die Teilnehmer und Referenten warf Karsten Schröder einen letzten Blick nach vorn: Mittwoch/Donnerstag, 3.und 4. Februar 2021, ist als nächster Termin für das 19. Inno-Meeting in Osnabrück fixiert. Für 2022 stimmten die Teilnehmer mit knapper Mehrheit wieder für Donnerstag/Freitag ab. 

  • Lebensmittelverpackung und Gedanken, die zum Thema Klimawechsel führen.

    Lebensmittelverpackung und Gedanken, die zum Thema Klimawechsel führen.

    „Der Versuch einer Bestandsaufnahme“

    Der Begriff “Eine babylonische Sprachverwirrung“ dürfte den verehrten Lesern dieses Aufsatzes bekannt sein. Wer, außer den jeweiligen Fachleuten, ist heute noch in der Lage, die sich überschlagenden Informationen in der Tagespresse oder den Tagesnachrichten zu folgen, wenn es sich um die Themata Plastikverpackung und Klimawechsel handelt.

    Wir werden überschüttet mit Zahlen, Daten und Fakten und können nur mit Interesse, Zeit und gutem Willen diese Informationen verarbeiten bzw. versuchen zu verstehen. Schreckensszenarien werden oftmals genüsslich ausgebreitet und die bereits vorhandenen technischen Lösungen gar nicht erwähnt, erklärt und leider zu oft nicht angewendet.

    Wenn doch, gilt die Frage „Wem nutzt es (kommerziell)?“ Beide Themen, die Verpackung generell und die Lebensmittelverpackung im Besonderen, verdienen es, differenziert betrachtet zu werden. Es besteht kein Zweifel, dass moderne Lebensmittelverpackung mehr nutzt als schadet. Der Fokus bleibt dann auf den Klimawechsel gerichtet. Die Kleinzelligkeit aller damit zusammenhängenden Themata ist bekannt. In jedem Fall gilt es zu betonen, dass moderne Lebensmittelverpackung Energie spart.

    Die Herausforderung, mit der die Menschheit konfrontiert wird, ist in den meisten Fällen fehlende Infrastruktur (Wertstoffsammlung) und das komplette Fehlen vom Verständnis der Zusammenhänge (Bildung).

    Setzen wir voraus, dass es uns gelingt, diese beiden Defizite in den kommenden Jahrzehnten auszugleichen. Lassen Sie uns weiterhin hoffen, dass die Menschen erkennen, dass wir eine Lösung nur global erreichen können. Insellösungen sind anerkennenswert, aber nicht immer sachdienlich und oft kapitalbindend. Die verbleibende Zeit (Klima) spricht einfach gegen solche Insellösungen.

    Schauen wir uns einmal die beiden Kerngrößen an. Zum einen ist es das Wachstum der Weltbevölkerung (https://www.worldometers.info/de/) und zum zweiten der damit direkt im Zusammenhang stehende Energieverbrauch. Beide rasanten Laufzahlen u. a. sind dem Link folgend zu finden. (Bild Entwicklung der Weltbevölkerung)



    Wir sind uns darüber im Klaren, dass die Benutzung fossiler, kohlenstoffbasierter Energieträger zum derzeitigen Dilemma ununterbrochen beiträgt. Benutzen wir diese Energieträger, oxidieren wir sie und gewinnen wir Energie, setzen folglich Kohlendioxid frei (Treibhausgas).

    Zwar wissen wir, dass andere Treibhausgase noch schädlicher sind, aber wir benutzen das Kohlendioxid als Äquivalent zu allen anderen Treibhausgasen (CO2e). (Bild fossile Energie vs. erneuerbare)



    Mehr als 65 % der Stromerzeugung werden durch das Verbrennen von fossilen Energieträgern (Kohle, Gas und Öl) gewonnen. Darüber hinaus werden diese fossilen Rohstoffe auch in technischen Prozessen umgewandelt: Kraftstoffe, Kunststoffe oder relevante chemische Zwischenprodukte.

    Sieht man sich mit diesen Fakten konfrontiert, wird einem klar, dass eine Lösung global zu erfolgen hat. Inwieweit das möglich ist, bleibt die wesentliche Aufgabe aller Volksvertreter in den kommenden Jahren.
    Verbrauch an fossilen Energieträgern:

    • Kohle 7,3 Milliarden T/a (Steinkohle und Braunkohle, Wikipedia)
    • Erdgas 3,9 Milliarden m3 /a (ohne Fackelgas und Recyclegas, Wikipedia)
    • Rohöl 4,5 Milliarden T/a (Wikipedia)

    Dieser, durch die wachsende Weltbevölkerung und dem wachsenden Wohlstand ständig wachsende Bedarf an Energie, muss reduziert bzw. weitestgehend gestoppt werden. Die dahinterstehenden Interessengruppen müssen eingebunden werden in die globale Lösung. Macht man das nicht, ist ein Scheitern absehbar.

    Welche Lösungen bieten sich an? Letztlich enden alle Modelle bei den uns gegebenen Ressourcen:

    • Sonne
    • Wind
    • Wasser (Stauen oder Gezeiten)
    • Geothermik
    • Kernenergie (nur in Form von TerraPower basierten Systemen)


    Ein Beispiel:
    Das Desertec Verfahren zur Gewinnung von Strom durch Sonnenenergie wurde bereits 2003 vom Club of Rome als die ideale Lösung angeboten (Gründung TREC). Da es bereits gut funktionierende Anlagen gibt – auch in Europa (Sanlucar, Spanien) – fragt man sich, warum diese Technik nicht intensiver angewendet wird. Die Konsortiumsteilnehmer (die meisten namhaften Stromerzeuger in Europa) zogen sich zurück, da die Anbieter fossiler Energieträger leichtere und höhere Gewinne versprachen. Im Falle der uns näherstehenden Lebensmittelverpackungsproblematik sollten folgende Schritte zuerst bedacht werden:

    • Reduzieren (den Einsatz von Verpackungsmaterial nicht den Designern überlassen)
    • Wiederverwenden (z. B. Glasflaschen)
    • Recyceln (Monomaterialien organisch & anorganisch)
    • Thermische Verwertung (Strom und Wärme)

    50 % des zurzeit eingesetzten Verpackungsmaterials – wurde bereits errechnet – könnten bei konsequenter Anwendung eingespart werden.

    Denken wir jedoch generell an Kohlenstoffchemie bzw. die Vielzahl der uns tagtäglich umgebenden und von uns benutzten Werkstoffe/Wertstoffe in größter Dimension. Es bleiben für eine reale Kreislaufwirtschaft einige technische Verfahren, z. B. die Gasifizierung. Diese Technik würde uns erlauben, alle kohlenstoffhaltigen Wertstoffe/Reste in einen neuen Rohstoff zu verwandeln.

    Dieser neue Rohstoff ermöglicht einen echten Kreislauf der Wertstoffe/Reste. Dafür würden natürlich erhebliche Energiemengen benötigt. Die bereits zur Verfügung stehenden Energietechnologien (geprüfte Konzepte und Pilotanlagen) könnten das ermöglichen.

    Fazit:
    Die Vorgaben der Politik, die Kreislaufwirtschaft u. a. der Plastikverpackung wird sich nicht realisieren lassen, da der Kreislauf nicht geschlossen werden kann. Nur in der Zusammenarbeit mit der Energiewirtschaft wird sich der Kreislauf schließen lassen, der die Verpackungsindustrie und andere Industrien einbindet. Siehe oben!

    17.02.2020
    Manfred-Werner Römer

  • Was sagen die Experten denn dazu? Allianz der Konzerne gegen Plastikmüll

    Was sagen die Experten denn dazu? Allianz der Konzerne gegen Plastikmüll

    In dieser kleinen Reihe möchten wir tagesaktuelle Ereignisse zur Diskussion stellen. In unregelmäßigen Abständen werden wir Zitate oder Trends zitieren, kommentieren und zur Debatte stellen. Die eigentliche Debatte soll in XING stattfinden – mal sehen, wie das ankommt.

    Wir veröffentlichen die Texte hier in Langform und werden auch in XING und LinkedIN hierher verlinken. So hat jeder erst einmal einen unkommentierten Blick auf die Sache, hat die Chance zur Meinungsbildung und kann dann in den Netzen kommentieren.

    Allianz der Konzerne gegen Plastikmüll – so titelt der BKV https://www.bkv-gmbh.de/infothek/woechentliche-presseschau.html#panel-5774-0 heute in seinem Newsletter.

    Seine Zusammenfassung lautet:

    Über die Neugründung einer Allianz internationaler Konzerne aus den Bereichen Chemie, Kunststoff und Konsumgüter berichten die Printmedien breit. Unter anderem zählen die BASF, Covestro, DowChemical, LyondelBasell, Sabic und Total zu den Mitgliedern der „Alliance to End Plastic Waste“. Mit 1,5 Milliarden Euro soll in den nächsten fünf Jahren insbesondere der Kampf in Asien gegen die Verschmutzung der Umwelt mit Kunststoffabfällen unterstützt werden.

    Das ist doch eine tolle Nachricht, sollte man denken. Die Industrie tut etwas, bevor die Politik überhaupt Konzepte hat – Klasse!? Auch mein erster Reflex war genauso. Doch dann setzte das s. g. langsame Denken ein und ich versuchte, Logik vor Gefühl zu positionieren, was gerade in diesem Kontext eine Herausforderung ist. Seit Monaten sind wir im Meeresstrudel voller Müll durch Medien – ja und auch durch Fachmedien – gefangen und ersticken an Mikroplastik. Aber was hat sich denn eigentlich so drastisch verändert? Eine Seglerin findet Müllstrudel in den Ozeanen – ganz plötzlich und Ellen MacArthur https://www.ellenmacarthurfoundation.org/ vermutet Schlimmeres – zu Recht, wie sich herausstellen sollte. Sie schart reichlich Prominenz um sich, was zu einem Medien-Hype zu diesem Thema führt. Alle sind bestürzt und suchen nach Lösungen. Aber bitte nicht die Geschäftsmodelle tangieren – das ist ja klar.

    Doch der Druck scheint unerträglich zu werden. Kein Tag vergeht mehr ohne Nachricht über Plastik im Meer und Mikroplastik. Beides wird vermischt und danach mühsam wieder auseinander dividiert. Doch Kunststoffe sind ab nun Gift. Die Debatte mündet in der Frage: Umwelt oder Kunststoff.

    Doch diese Allianz betont, es ginge um Umwelt und Kunststoff.

    Das erscheint sinnvoll. Denn vorstellen können sich doch nur „Öko-Aktivisten“ eine Umwelt ohne Kunststoffe. Wir als Heilsbringende Plastikmacher, Verarbeiter, Verpacker und Entsorger haben doch alles im Griff – in Europa. Und da, wo das Volk nicht ordentlich Plastikverpackungsmüll sammelt, fehlt Bildung und Disziplin, machen uns Marktteilnehmer, Lobbyisten und Vertreter unsere Branche – natürlich wohliger verpackt – wissend.

    Aber was ist denn die Alternative zur Initiative von BASF, Procter & Shareholder-Value? Es ist sicher ein guter Schritt zu akzeptieren, dass wir alle auf derselben Erde leben und etwas tun müssen, damit Plastik überlebt. Die Europäische Flexpack-Industrie hat nun noch ganz andere Sorgen als das Entsorgen. Sie gerät mit in den Abwärtsstrudel des Plastik-Images. Doch unzählige Studien belegen – Folienverpackung schützt Leben(smittel). Folie ist die Minimalverpackung, und seit den 1990er Jahren sind die Wachstumsraten enorm und stetig.

    Deshalb geistert bei vielen Entscheidern, bei Flexpackern, ihren Auftraggebern und Auftragnehmern der Gedanke an Neustart mit Kreislaufwirtschaft durch den Kopf. Aber wie soll das gehen? Auch das 17. Inno-Meeting http://im.innoform.de beschäftigt sich mit diesem Thema – zu Recht?

    Was denken Sie? Wie kann – und ja – wie sollte es weitergehen mit Flexpack, Folienverpackungen und deren Kreislauf? Global gedacht und lokal gemacht? Sind wir verantwortlich für die Müllstrudel, und ist es richtig, uns damit hineinzuziehen? Oder haben wir hier doch alles im Griff und machen „Business as usual“? Ich freue mich auf spannende Kommentare auf XING.

    Ihr Karsten Schröder

  • Mehr Umsatz durch Innovation?

    Mehr Umsatz durch Innovation?

    Am 19./20. Oktober 2017 lädt das Ofi zur österreichischen Verpackungstagung Impackt 2017 in Salzburg ein. Aus verschiedenen Perspektiven beleuchten Wirtschaftsexperten, wie Innovationen einen Mehrwert und mehr Umsatz für Unternehmen generieren können.

    Ständig drängen neue Produkte auf den Markt, Services werden kontinuierlich an wandelnde Strukturen angepasst. Doch wie wird etwas Neues zu einer Innovation? Welche Projekte gibt es zur Zeit am Markt? Wie innovativ ist die Verpackungsindustrie?

    Herr Dipl.-Ing. Michael Auer,  Leiter des österreichischen Instituts für Verpackungswesen hat die Kernaussagen der Referenten treffend auf den Punkt gebracht, wo der Bedarf an Innovation in der Verpackungsindustrie liegt:
    “Die Herausforderung ist die optimale Erfüllung der Verpackungsfunktionen in Abstimmung mit den Produkteigenschaften und den vorgesehenen Distributionskanälen unter Berücksichtigung von Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung sowie „Easy of use“ für den Konsumenten. Ferner darf hier das Instrument „Marketing“ nicht außer Acht gelassen werden, sprich die direkte Kommunikation des Produktes mit dem Endverbraucher, welche über die Verpackung stattfindet.”

    Innovationen resultieren erst dann aus Ideen, wenn diese in neue Produkte, Dienstleistungen oder Verfahren umgesetzt werden, ihre Nützlichkeit erkannt  und ein Produkt, Produktionsprozess oder Geschäftsmodell entsprechend neu eingeführt oder verändert wird (Quelle: Wikipedia). Ein wesentliches Kriterium für eine Innovation ist das Hinterfragen bestehender Leistungen und Vorgehensweisen sowie ihre erfolgreiche Anwendung und Marktdurchdringung bis hin zur Akzeptanz beim Kunden.

    Innoform unterstützt aktiv den österreichischen Branchentreff  für Verpackungen: Karsten Schröder, Geschäftsführer der Innoform Coaching GbR, macht auf der Impackt 2017 den Anfang und rollt mit seinem Vortrag “Trends in der Flexpack-Industrie: Mega-Trend Kreislaufwirtschaft und Recyclierbarkeit durch Einstoff-Verpackungen” das Thema von hinten auf. Er sieht in der allgegenwärtigen Digitalisierung unendliche Ressourcen zur Optimierung einer maßgeschneiderten Verpackungslösung für individuelle frische Lieferungen. Am Beispiel der Kreislaufwirtschaft zeigt er, wie Konzepte erfolgreich positioniert werden können, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

    Entlang der gesamten Wertschöpfungskette von der Entwicklung neuer Kunststoffe und Verpackungssysteme über gelungene Marketingstrategien wie intelligent eingesetzter Verpackungssensorik bis hin zu Prozessierungsschritten zur Haltbarkeitsverlängerung von Lebensmitteln zeigen die Referenten anhand Best Practice Beispielen, wie Sie mit Nachhaltigkeit punkten, Kundenerwartungen erfüllen und mit Innovationen vielleicht sogar einen steigenden Umsatz erzielen.

    Die wirtschaftlichen Gegebenheiten müssen stimmen, um innovative Konzepte in die Praxis umsetzen zu können.

    Profitieren Sie von neuen Inputs rund um die zentrale Fragestellung DER österreichischen Verpackungstagung “Mehr Umsatz durch Innovation?” Hier geht’s zur Anmeldung.

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  • Checkliste zur Konformitätsarbeit zum Download verfügbar

    Checkliste zur Konformitätsarbeit zum Download verfügbar

    Heike Schwertke hat eine Checkliste zur Erstellung von Konformitätsarbeit zur Verfügung gestellt. Hier finden Sie den Link zum Download. Die vollständige Beschreibung lautet: Checkliste für die Erstellung und Bewertung von Konformitätserklärungen von Zwischenmaterialien aus Kunststoff und fertigen Materialien und Gegenständen.

  • Verpackungsindustrie in den Fängen hipper Verbraucher

    Verpackungsindustrie in den Fängen hipper Verbraucher

    carrot-1085063_1920_kleinEssen Sie noch Bioprodukte oder schon vegan? Kaufen Sie Ihr Müsli beim Discounter oder bestellen Sie Ihr Designmüsli schon im Netz? Machen Sie eine Medien- oder Plastikdiät oder wollen Sie tatsächlich noch an Gewicht abnehmen?

    Marketiers suchen und finden solche Schlagzeilen und folgen ihnen mit entsprechenden Produkten. Der vegane Schlachter und der „Müslidesigner“ werden erfunden und suggerieren: Das musst du haben, um hipp und dabei zu sein. Auf dem Weg ins Büro noch eben einen Coffee to go im recycelten Kaffeesatz-Becher  und ein Bio-Brötchen auf die aus Blättern hergestellte Schale oder gleich auf die Hand – natürlich umweltfreundlich und nachhaltig produziert und erstanden im neu auferstandenen „Tante-Emma-Laden“ namens Unverpackt.

    Haben Sie sich beim Schmunzeln oder beim Ärgern über diese Zeilen ertappt? Gehören Sie schon zur neuen, hippen Digitalgesellschaft ohne festen Arbeitsplatz, mehreren, fast abgeschlossenen Ausbildungen umgeben von „Startuppern“ und Selbstverwirklichern oder rücken Sie noch Tag für Tag ein in Ihr Büro mit klar strukturierten und fest gezurrten Abläufen und Abteilungen? Sie sind doch Single – oder haben Sie etwa eine eheähnliche Beziehung? Wo leben denn Ihre Kinder? Oder hatten Sie noch keine Gelegenheit dazu? Aber die müssen doch auch noch irgendwie rein ins hippe Leben…

    Eine Gesellschaft voller Zweifel, Hoffnung und wenig Revolutionärem stellt sich dem Medienkonsumenten und Verpackungskonsumenten dar. Aber gilt das auch (schon) für Verpackungen? Fertigen wir bald nur noch biologisch abbaubar und nachhaltig beim Flexpacker um die Ecke? Regionaler Zucker aus regionalem Anbau im regionalen Standbeutel aus Zuckerrohr-Polymerisat als ideale Single-Haushaltverpackung to go?

    Was passiert da in der medialen Wahrnehmung und im tatsächlichen Leben der Masse? Sind das nicht alles überzeichnete Einzelschicksale, von denen wir in Funk und Fernsehen – oder besser gesagt in Social Medias und Blogs hören, lesen und uns darüber wundern? Verlieren wir auch in der Verpackungsindustrie langsam die Lust am Gewöhnlichen und müssen jeden noch so kleinen und vielleicht sogar verwerflichen Trend mitmachen? Sollen wir nur auf Kundenwunsch oder besser Kundendruck hin entwickeln?
    Oder ist es an der Zeit, das Image der Verpackung einmal selber in die Hand zu nehmen und von Innovations-Pull auf Innovations-Push umzudenken und umzulenken? Sollten wir nicht als Industrie der Packmittelhersteller und -verwender zu einer Road-Map gelangen können, die uns zumindest die nächsten 10 Jahre klar macht, welche Trends wir als sinnvoll erachten und die wir so setzen werden? So, wie es die Auto- und Maschinenbau-Industrie seit Jahrzehnten tut? Mir kommt gelegentlich die Packmittelindustrie vor wie ein Taxi-Unternehmen, dass sich auch noch die Autos vorschreiben lassen möchte, mit dem es die Kunden fährt.

    Wo sind eigentlich die klaren Statements der Verbände und Universitäten, der Unternehmer und Aufsichtsräte hinsichtlich der weiteren Bemühungen hin zur Kreislaufwirtschaft? Wie gehen wir um mit der Verpackung nach dem Gebrauch – weltweit betrachtet? Ist das Duale System die Lösung für Europa oder gar für die Welt?

    Wie werden Polymere in 10, 20 oder sogar 30 Jahren für Verpackungen gewonnen? Was ist die Aussage zum Marine Littering (vor allem Plastikmüll/Verpackungsmüll im Meer)? Sind wir als Kunststoffverarbeiter nicht auch im Boot, genau wie die Kunststoffproduzenten, die sich ach so gern aus allem heraushalten, auch wenn mal eine Pipeline leckt?

    vegetables-576251_1280_kleinIch denke, es wird dringend Zeit, auch auf internationaler Ebene als Packmittelindustrie – sogar unabhängig vom Packstoff – eine klare Aussage zu erarbeiten, die deutlich macht, welchen Nutzen Verpackungen stiften und welche Hausaufgaben noch vor uns liegen. Ansätze wie der Tag der Verpackung gibt es, aber reicht das? Dazu einige konkretere Gedanken:

    Wir werden es nicht schaffen, allen Konsumenten zu vermitteln, dass Mülltrennung ihre Aufgabe ist. Das gilt besonders global. Stoffströme werden nie ideal verlaufen und Polymerrecycling gelingt in den wenigsten Fällen ohne Qualitätseinbußen. Denkt man dieses weiter, kommt man zu zwei zukunftsweisenden Lösungsansätzen, die weitgehend anerkannt sind und u. a. auf chemische und biologische Kreisläufe, das Cradle to Cradle Konzept von Professor Braungart, zurückgehen:

    1. Chemische Kreisläufe

    beaker-145920_1280_kleinBei chemischen Kreisläufen hält man die Zahl der eingesetzten Chemikalien gering und vor allem unter stetiger Kontrolle. Ein Beispiel dafür ist, dass Kunststofffenster verliehen werden und der Produzent diese nach einer vereinbarten Laufzeit wieder zurückerhält, um daraus wieder Kunststofffenster herzustellen. Das hat mehrere Vorteile:

    Der Produzent achtet aus Eigeninteresse darauf, dass Rohstoffe verwendet werden, die gut wiederverwertet werden können. Zudem achtet er auf eine Qualität, die der Nutzungsdauer angemessen ist, um wenige Reklamationen zu erhalten.

    Der Konsument hat kein Entsorgungsproblem und kein Qualitätsproblem mehr. Auch die Finanzierung kann flexibel gestaltet werden, da er nicht mehr mit einer klassischen Bank, sondern dem Produzenten selbst über das Verleihen seines Fensters verhandeln kann. Der Hersteller wird selber zur „Materialbank“. Je besser seine Qualität und sein Wirtschaften mit Rohstoffen, umso besser für alle. Mit jedem Fenster, das er zusätzlich verkauft und montiert, steigt das Eigenkapital des Produzenten und es sinkt die Ressourcenverschwendung. Langfristig muss das profitabler sein als das heutige, an Geld und Entsorgung gekoppelte System, da ja das, was wir eigentlich nutzen möchten – der Rohstoff – erhalten bleibt, ohne dass permanent Kapital generiert werden müsste, um Wachstum zu erzeugen.

    1. Biologischer Kreislauf

    compost-419261_1920_kleinHier spielt die Natur die dominierende Rolle, auch wenn der Mensch ihr dabei gehörig ins Handwerk pfuschen wird. Wir nutzen die Natur – z. B. Pflanzen – um Rohstoffe zu gewinnen, die wir der Natur wieder zurück geben können. Also nicht nur Biopolymere, die aus Pflanzen stammen, sondern eben auch solche, aus denen wieder Pflanzen wachsen können. Also bio-basierte (bio-based) Materialien, die aber auch bioabbaubar (bio-degradable) sind. Der große Vorteil dieser Polymergruppe besteht darin, dass man sie so designen könnte, dass sie auch ohne funktionierende Sammel- und Entsorgungssysteme in die Natur „entlassen“ werden, wieder nutzbringend sind und nicht hunderte von Jahren in Meeren treiben und Fische malträtieren.

    1. Hybride Kreisläufe

    arrows-381439_1280_kleinMomentan favorisieren viele die Mischung aus beiden Kreisläufen mit mehreren möglichen Abzweigungen in andere Kreisläufe, aber eben auch in Sackgassen wie die Verbrennung. Wird beispielsweise ein Biomaterial verbrannt, bleiben zwar seine kleinsten Bausteine (Atome) in Form von Abgas und Schlacke erhalten, diese werden aber nur bedingt wieder zu Pflanzen wachsen können, aus denen wir wieder Biokunststoff gewinnen. Aus den Abgasen (z. B. Kohlendioxide etc.) kann man sich das noch zum Teil vorstellen. Aus der Schlacke aus unseren Hochöfen oder Zementwerken eher nicht, da sie unkontrolliert kontaminiert sind. Wir wissen einfach zu wenig über das, was drin ist und noch weniger darüber, wie es wechselwirkt. Das ist eine Sackgasse, schont aber auch die Ölreserven in doppelter Hinsicht – beim Rohstoff, da Bio und bei der Energiegewinnung.

    Welche Option sich nun die Verpackungswirtschaft wünschen würde, gäbe es dafür Gremien aus kompetenten Rädelsführern, die sinnvolle Vorgaben entwickelten, denen echtes Kreislaufdenken zugrunde läge, bleibt abzuwarten.

    Beide Systeme schließen sich auch nicht aus und könnten betrieben werden. Auch Kombinationen sind gut denkbar und bergen spannende Synergien. Nur konkret nachdenken müssen die, die es in erster Linie angeht, da es ihre Existenzgrundlage tangiert – uns Stakeholder der Verpackungsindustrie eben. Doch zu groß sind seit den 1990er Jahren die Wachstumsraten, zu bequem war der Weg hin zu den blühenden Familienunternehmen, die sich zusehends in Multinationale Konzerne umformen. Doch die Zeit scheint reif für Veränderung. Das Neue daran: Es sind nicht pekuniäre Überlegungen, die zum Umdenken zwingen. Es ist ein, wenn auch noch zarter, neuer Life-Style, eine neue Grundhaltung der Jugend, der nicht mehr die Welt in Verpackungen versinken lassen möchte, auch wenn alle Fachleute sich einig sind, dass der Nutzen größer ist als der Schaden. Doch gilt das auch im Zeitalter von Shitstorm und Internet? Wird es uns gelingen, kluge Wege zu finden, um Verpackung wieder attraktiver für Konsumenten zu machen und verträglicher für unsere Umwelt? Ich bin Optimist und schreibe deshalb diese Gedanken auf.

    Ihr Karsten Schröder

  • Wie werden EU-Vorgaben – auch für Verpackungen – international umgesetzt

    Wie werden EU-Vorgaben – auch für Verpackungen – international umgesetzt

    Auf der Website EU SCIENCE HUB wurde ein Bericht über nicht-harmonisierte Lebensmittelkontaktmaterialien (FCM = Food Contact Material)  in der EU veröffentlicht. Darin geht es um gesetzliche Vorgaben und die Marktsituation für nicht-harmonisierte Lebensmittelkontaktmaterialien.

    Der Bericht beschreibt vier wesentliche Probleme bei der Realisierung der EU-Vorgaben zu den FMCs.

    …”Es mangelt an gemeinsamen Leitlinien und Transparenz bei der Durchführung von Risikobewertungen in den Mitgliedstaaten (MS). Die Protokolle für die Zulassung von Stoffen können sich von Mitgliedstaat zu Mitgliedstaat und von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) unterscheiden. Das Potenzial von in der EU entwickelten Tools für Risikobewertungen wird nicht ausgeschöpft. Nationale Maßnahmen sind schwer zugänglich und nicht immer durchgängig oder hinreichend detailliert. Für alle FCMs und für die „Good Manufacturing Practice“ (GMP) sind spezifische Standards für die Lebensmittelsicherheit erforderlich. Insbesondere die Konformitätserklärung (DoC) und die “supporting documents” (Belegdokumente wie Prüfberichte, Gutachten etc.) verlangen spezifische Qualitätskriterien, die möglicherweise mit Sanktionen für eine angemessene Qualität und Rückverfolgbarkeit des Informationstransfers entlang der Kette verbunden sein sollten. Die Maßnahmen basieren auf Listen zugelassener Stoffe (insgesamt knapp 8.000), zeigen jedoch Unterschiede zwischen den Mitgliedstaaten in der Art der betrachteten Stoffe, der Art der Einschränkungen und deren Zahlenwerte. Dies führt zu mehrfachen Prüfanforderungen und kompliziert die gegenseitige Anerkennung. Testmethoden fehlen für die Durchsetzung und Einhaltung, so dass es schwierig nachzuweisen ist, dass die Lebensmittelsicherheit konsequent gewährleistet ist”…

    The European Commission’

    Der vollständige Report kann hier kostenlos geladen werden.

  • Kreislauffähige Verpackungen – schon beim Entwurf ans Wiederverwerten denken

    Kreislauffähige Verpackungen – schon beim Entwurf ans Wiederverwerten denken

    Am 4./5. April 2017 veranstaltet Innoform in Zusammenarbeit mit dem Süddeutschen Kunststoffzentrum (SKZ) auf der Marienburg in Würzburg die Recycling-Konferenz Umwelt- und Umfeld-gerechte Kunststoffverpackungen.

    Im Mittelpunkt der Konferenz stehen folgende Themenschwerpunkte:
    Wie weit ist Europa mit der Kreislaufwirtschaft?
    Wie gut sind Kunststoffverpackungen geeignet, um den hohen Anforderungen gerecht zu werden?
    Welche Recyclingpfade gibt es und müssen noch entwickelt und/oder etabliert werden?
    Was kann die Folienbranche zu noch mehr Nachhaltigkeit beitragen?
    Welcher Kundennutzen entsteht durch Kreislaufwirtschaft?

    Kunststoffverpackungen sind in aller Munde und allgegenwärtig. Die Bandbreite der Einschätzung reicht von heilbringenden Wohlstandsgaranten bis hin zum Müllverursacher Nr. 1. In dieser Konferenz beleuchten wir viele Aspekte aus diesem Spannungsfeld. Anforderungen an Kunststoffverpackungen einerseits aus Sicht des Handels und der Konsumenten stehen im Widerspruch zur öffentlichen Meinung. Die Verpackung soll alles können, nichts kosten und sich nach Gebrauch wieder verflüchtigen. Wie ginge das und ist das die richtige Ausgangsposition?

    Bei der Realisierung einer kreislauffähigen Verpackung kommt es zu unvermeidbaren Zielkonflikten zwischen den Verpackungsfunktionen, Marketing-Forderungen und der Materialeffizienz: Sie soll alles können:
    . Produktschutz garantieren
    . Transportvehikel sein
    . Informationsquelle bilden
    . Qualitäts-Safe garantieren
    . Gesichter von Produkt und Marken sein

    Aber Achtung – es kann auch bei zu viel Blick auf Recycling z. B. zu einem erhöhten Verpackungsgewicht oder einer verminderten Haltbarkeit des Produkts kommen, wenn hoch entwickelte Kunststoffverbunde durch Monofolien ersetzt werden – nur des Recyclings wegen.

    Kurt Schüler und Alexander Reitz von der Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung mbH (GVM) referieren im Rahmen der Tagung über “Stoffströme und Regelwerke” und haben gemeinsam mit der Prognos AG an einer prognos_blogStudie für die Kompetenzplattform BKV mitgearbeitet, die sich mit den logo_bkv_gmbh_blog“Potenzialen zur Steigerung der werkstofflichen Verwertung von Kunststoffverpackungen – recyclinggerechtes Design, Sortiertechnik” beschäftigt: Inwieweit kann das Design von Kunststoffverpackungen das Recycling erschweren oder unmöglich machen?

    BMUB_blog§21 des Referentenentwurfs zum Verpackungsgesetz des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) fordert eine Staffelung der Lizenzentgelte der dualen Systeme nach Kriterien der Recyclingfähigkeit.

    So beschäftigt sich ein Vortrag u.a. mit dem Design für eine recyclingfähige Verpackung.

    Einen ersten Überblick über die Ergebnisse eine entsprechenden Studie hat die Lebensmittelzeitung am 23. September veröffentlicht.

    Entleerte Kunststoffverpackungen nach Reyclingfähigkei_Blog_Groß

     

     

  • Zusammenfassung der 5. Europäischen Standbeutelkonferenz

    Zusammenfassung der 5. Europäischen Standbeutelkonferenz

    Die 5. Europäische Standbeutelkonferenz in Osnabrück verzeichnete letzte Woche einen neuen Besucherrekord. Teilnehmer aus Europa und Übersee diskutierten lebhaft über die zu erwartende, rosige Zukunft des Standbeutels in all seinen Facetten. Die zunehmende Zahl an Besuchern spiegelt den anhaltenden Boom des SUP wieder.

    Sehen Sie hier die Zusammenfassung der beiden Tagen von Karsten Schröder mit Stichworten zu den einzelnen Vorträgen: https://www.youtube.com/watch?v=eiSdIN0YW-Q

    Alle Vorträge sind wie üblich in unserem Downloadbereich verfügbar.

     

    Hensen_Henno_2013-06-18

    Besonderer Dank gilt, neben dem Organisationsteam, den Besuchern und Referenten sowie Henno Hensen, der maßgeblich an der fachlichen Gestaltung mitgewirkt hat.

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