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  • Schadensanalytik beginnt mit der Materialanalyse: Was Verpackungen über ihre Fehler verraten

    Schadensanalytik beginnt mit der Materialanalyse: Was Verpackungen über ihre Fehler verraten

    Qualitätsprobleme bei Verpackungen treten selten ohne Vorwarnung auf. Plötzlich öffnet sich eine Siegelnaht unerwartet, der Verbund löst sich, Barriereeigenschaften verschlechtern sich oder Verarbeitungsprobleme häufen sich in der Produktion. Die sichtbaren Symptome sind oft eindeutig – die tatsächlichen Ursachen dagegen nicht.

    Genau hier beginnt die Schadensanalytik. Und in vielen Fällen führt der erste Weg zur Materialanalyse.

    Warum die eigentliche Ursache häufig verborgen bleibt

    Tritt ein Fehler auf, richtet sich der Fokus häufig zunächst auf den Produktionsprozess. Wurden Maschinenparameter verändert? Gab es Schwankungen in der Verarbeitung? Sind die Bedingungen im Lager verantwortlich?

    Diese Fragestellungen sind wichtig. Dennoch zeigt die Praxis immer wieder, dass die eigentliche Ursache oft im Material selbst liegt.

    Bereits kleine Änderungen im Rohstoff, im Schichtaufbau oder in den Materialeigenschaften können erhebliche Auswirkungen auf die Funktion einer Verpackung haben. Das Problem: Solche Veränderungen sind mit bloßem Auge meist nicht erkennbar.

    Eine systematische Materialanalyse hilft dabei, Vermutungen durch Fakten zu ersetzen.

    Typische Schadensbilder bei flexiblen Verpackungen

    Viele Qualitätsprobleme lassen sich auf einige wiederkehrende Schadensbilder zurückführen.

    Lassen Sie den Schaden durch geeigneter Analytik sprechen und verstehen Sie dadurchFehler tiefgründig, bevor Maßnahmen umgesetzt werden..
    Karsten Schröder

    Delamination von Verbundmaterialien

    Lösen sich einzelne Schichten voneinander, können Haftvermittler, Klebstoffe oder Prozessparameter die Ursache sein. Auch Materialänderungen auf Lieferantenseite sind denkbar.

    Auffälligkeiten beim Siegeln

    Unzureichende Nahtfestigkeiten oder instabile Siegelparameter können auf Veränderungen der Siegelschicht, Kontaminationen oder ungeeignete Materialkombinationen hinweisen.

    Veränderung von Barriereeigenschaften

    Steigen Sauerstoff- oder Wasserdampfdurchlässigkeiten unerwartet an, lohnt sich ein genauer Blick auf den Schichtaufbau und die verwendeten Barrierewerkstoffe.

    Verarbeitungsprobleme

    Faltenbildung, Bahninstabilität oder unerwartete Reibungseigenschaften können ihre Ursache in Materialschwankungen oder abweichenden Rohstoffqualitäten haben.

    In all diesen Fällen stellt sich dieselbe Frage: Entspricht das Material tatsächlich den erwarteten Eigenschaften?

    Die Materialanalyse als Werkzeug der Ursachenforschung

    Moderne Analysen ermöglichen einen deutlich tieferen Einblick als klassische Wareneingangsprüfungen.

    Materialidentifikation mittels FTIR

    Mit Hilfe der Infrarotspektroskopie (FTIR) lassen sich Kunststoffe und andere Materialien identifizieren und miteinander vergleichen.

    Dadurch kann überprüft werden, ob die eingesetzten Werkstoffe tatsächlich den vorgesehenen Materialien entsprechen oder ob Abweichungen vorliegen.

    Untersuchung des Schichtaufbaus

    Gerade bei Verbundfolien entscheidet die genaue Zusammensetzung über die spätere Funktion der Verpackung.

    Mikrotomschnitte und mikroskopische Untersuchungen machen einzelne Schichten sichtbar und ermöglichen Aussagen zu Materialkombinationen, Schichtdicken und Strukturaufbau.

    Thermische Analysen

    Verfahren wie die DSC-Analyse (Differential Scanning Calorimetry) liefern Informationen über Schmelzverhalten, Kristallinität und Materialzusammensetzung.

    Dadurch können Unterschiede zwischen Soll- und Ist-Zustand erkannt werden, die sich direkt auf Verarbeitung und Funktion auswirken.

    Warum Vermutungen oft teuer werden

    In der Reklamationsbearbeitung entsteht häufig Zeitdruck. Produktionsstillstände, Lieferengpässe oder Qualitätsabweichungen erfordern schnelle Entscheidungen.

    Genau hier liegt jedoch ein Risiko: Werden Ursachen lediglich vermutet, besteht die Gefahr, dass Maßnahmen an den falschen Stellschrauben ansetzen.

    Maschinenparameter werden angepasst, Prozesse verändert oder Lieferanten gewechselt, ohne die tatsächliche Ursache eindeutig identifiziert zu haben.

    Eine fundierte Materialanalyse schafft dagegen eine belastbare Entscheidungsgrundlage und verkürzt häufig den Weg zur eigentlichen Problemlösung.

    Materialanalyse ist mehr als Reklamationsbearbeitung

    Schadensanalytik wird oft erst dann beauftragt, wenn bereits ein Problem entstanden ist. Dabei kann Materialanalyse auch präventiv eingesetzt werden.

    Typische Anwendungsfelder sind:

    • Überprüfung neuer Lieferantenmaterialien
    • Vergleich von Alternativqualitäten
    • Absicherung von Materialumstellungen
    • Bewertung von Rezyklatanteilen
    • Qualitätsüberwachung im Wareneingang
    • Dokumentation bei kritischen Anwendungen

    Wer Materialeigenschaften frühzeitig versteht, kann viele spätere Probleme vermeiden.

    Fazit

    Verpackungen geben Hinweise auf ihre Fehler – man muss sie nur richtig lesen können. Während sichtbare Schadensbilder häufig lediglich Symptome darstellen, liegen die eigentlichen Ursachen oft im Materialaufbau oder in veränderten Materialeigenschaften.

    Die Materialanalyse liefert die notwendigen Fakten, um Qualitätsprobleme fundiert zu bewerten und die Ursachen systematisch einzugrenzen. Sie ist damit ein zentrales Werkzeug der Schadensanalytik und unterstützt Unternehmen dabei, fundierte Entscheidungen zu treffen statt auf Vermutungen zu reagieren.

    Unser Tipp

    Wenn Qualitätsabweichungen auftreten oder Materialänderungen vermutet werden, lohnt sich ein analytischer Blick auf die Verpackung selbst. Moderne Prüfverfahren können wertvolle Hinweise liefern und helfen, Ursachen schneller und sicherer zu identifizieren.

    Häufig gestellte Fragen (FAQ)

    Was ist eine Materialanalyse bei Verpackungen? +

    Die Materialanalyse identifiziert die chemische Zusammensetzung, den Schmelzpunkt (DSC) und den genauen Schichtaufbau von Verpackungsfolien mittels spektroskopischer und mikroskopischer Methoden.

    Wann hilft die Schadensanalytik weiter? +

    Sie hilft bei Reklamationen wie Siegelnahtbrüchen, Delamination (Ablösen der Folienschichten) oder unzureichenden Barriereeigenschaften, um die genaue Fehlerursache zu finden und teure Prozessfehler zu beheben.

    Welche Geräte werden für die Materialanalyse genutzt? +

    Zu den Standardgeräten im akkreditierten Labor gehören FTIR-Spektrometer zur Werkstoffidentifikation, DSC-Messgeräte zur Thermoanalyse sowie hochauflösende Lichtmikroskope für Schichtdickenmessungen an Dünnschliffen.

    Verwandte Artikel

  • Lebensmittelrecht und PPWR im Wandel

    Lebensmittelrecht und PPWR im Wandel

    Was Hersteller von Lebensmittelverpackungen wissen sollten

    Die regulatorischen Anforderungen an Lebensmittelverpackungen nehmen kontinuierlich zu. Neben den etablierten Vorgaben des europäischen Lebensmittelrechts rücken durch die neue Packaging and Packaging Waste Regulation (PPWR) zunehmend Nachhaltigkeit, Recyclingfähigkeit und kritische Stoffgruppen wie PFAS in den Fokus. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Konformitätserklärungen, Migrationsprüfungen und die Bewertung von NIAS (Non Intentionally Added Substances).

    Im Innoform Podcast diskutierten Karsten Schröder und Heike Schwertke, Prokuristin und Leiterin des Bereichs Konformitätsarbeit beim Innoform Testservice, die wichtigsten Entwicklungen und Herausforderungen für Verpackungshersteller, Verarbeiter und Inverkehrbringer von Lebensmittelkontaktmaterialien.

    Die europäische Gesetzgebung für Lebensmittelkontaktmaterialien

    Die rechtliche Grundlage für Lebensmittelkontaktmaterialien bildet die europäische Rahmenverordnung (EG) Nr. 1935/2004. Sie gilt für sämtliche Materialien, die mit Lebensmitteln in Kontakt kommen – unabhängig davon, ob es sich um Kunststoffe, Papier, Glas, Metall oder andere Werkstoffe handelt.

    Ziel ist es sicherzustellen, dass keine Stoffe in Mengen auf Lebensmittel übergehen, die die Gesundheit gefährden oder die Eigenschaften des Lebensmittels unzulässig verändern.

    Für Kunststoffe existiert mit der Verordnung (EU) Nr. 10/2011 eine detaillierte Einzelmaßnahme. Sie regelt unter anderem:

    • Welche Stoffe eingesetzt werden dürfen
    • Welche Grenzwerte einzuhalten sind
    • Wie Migrationsprüfungen durchzuführen sind
    • Welche Informationen entlang der Lieferkette weitergegeben werden müssen

    Kunststoffe gehören damit zu den am umfassendsten geregelten Verpackungsmaterialien im Lebensmittelkontakt. Anders sieht dies bei anderen Werkstoffgruppen wie Druckfarben oder Papier aus, für die häufig nationale Regelungen herangezogen werden müssen.

    Konformitätserklärungen: Das Rückgrat der Lieferkette

    Eine Konformitätserklärung ist weit mehr als ein formales Dokument. Sie dient dazu, Informationen über eingesetzte Stoffe, Grenzwerte und Verwendungsbedingungen entlang der gesamten Lieferkette weiterzugeben.

    Der Rohstoffhersteller informiert den Polymerhersteller, dieser den Folienhersteller und schließlich den Verpackungshersteller. Erst dadurch kann der Lebensmittelproduzent beurteilen, ob ein Material für seinen Anwendungsfall geeignet ist.

    Besonders wichtig sind dabei Angaben zu:

    • spezifisch reglementierten Substanzen
    • zulässigen Temperaturbereichen
    • Kontaktdauer
    • Lebensmittelarten
    • durchgeführten Prüfungen und Berechnungen

    Eine Konformitätserklärung ersetzt jedoch keine Prüfungen. Sie muss jederzeit durch technische Unterlagen und belastbare Nachweise belegt werden können. Behörden können entsprechende Dokumentationen anfordern.

    Migration: Der entscheidende Nachweis

    Die zentrale Frage bei Lebensmittelkontaktmaterialien lautet:

    Welche Stoffe können tatsächlich in das Lebensmittel übergehen?

    Zur Beantwortung werden unterschiedliche Prüfansätze eingesetzt.

    Gesamtmigration

    Die Gesamtmigration bestimmt die gesamte Stoffmenge, die aus einem Material auf das Lebensmittel übergehen kann. Sie dient vor allem als Maß für die allgemeine Inertheit des Verpackungsmaterials.

    Spezifische Migration

    Hier werden einzelne Stoffe gezielt untersucht. Dies betrifft insbesondere Stoffe mit toxikologischer Relevanz oder festgelegten Grenzwerten. Die Prüfung dient dem Nachweis, dass diese Stoffe die zulässigen Übergangsmengen nicht überschreiten.

    Zusätzlich kommen heute zunehmend Modellrechnungen zum Einsatz, um auf Basis von Stoffeigenschaften und Materialdaten das Migrationsverhalten vorherzusagen.

    NIAS: Die oft unterschätzte Herausforderung

    Besondere Aufmerksamkeit gilt inzwischen den sogenannten NIAS (Non Intentionally Added Substances). Hierbei handelt es sich um Stoffe, die nicht absichtlich eingesetzt werden, sondern beispielsweise als:

    • Verunreinigungen
    • Abbauprodukte
    • Reaktionsprodukte
    • Oligomere

    im Material enthalten sind oder während der Herstellung entstehen.

    Während bekannte Rohstoffe und Additive häufig gut dokumentiert sind, stellen NIAS die Risikobewertung vor besondere Herausforderungen. Viele dieser Stoffe lassen sich nicht allein aus Rohstofflisten ableiten.

    Deshalb gewinnen umfassende Screening-Untersuchungen an Bedeutung. Beim Innoform Testservice werden hierfür beispielsweise GC-MS-Verfahren eingesetzt, mit denen auch unbekannte Stoffe identifiziert und bewertet werden können.

    Bisphenol A und die Neubewertung kritischer Stoffe

    Ein aktuelles Beispiel für die Dynamik der Regulierung ist Bisphenol A (BPA). Die Europäische Union hat die absichtliche Verwendung von BPA in den meisten Lebensmittelkontaktmaterialien inzwischen untersagt.

    Grundlage solcher Entscheidungen sind umfangreiche toxikologische Bewertungen durch Institutionen wie:

    • die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA)
    • das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR)

    Die Entwicklung zeigt, dass Hersteller ihre eingesetzten Stoffe kontinuierlich beobachten und regulatorische Veränderungen frühzeitig berücksichtigen müssen.

    PPWR: Nachhaltigkeit trifft Produktsicherheit

    Mit der Packaging and Packaging Waste Regulation (PPWR) entsteht eine zusätzliche regulatorische Ebene. Während das klassische Lebensmittelrecht vor allem den Verbraucherschutz adressiert, stehen bei der PPWR Aspekte wie:

    • Recyclingfähigkeit
    • Rezyklatgehalt
    • Ressourcenschonung
    • Stoffverbote
    • Kreislaufwirtschaft

    im Vordergrund.

    Besonders intensiv diskutiert werden derzeit PFAS. Diese Stoffgruppe wird häufig auch als „Ewigkeitschemikalien“ bezeichnet, da viele Vertreter in der Umwelt nur sehr schwer abbaubar sind. Die PPWR enthält bereits erste Beschränkungen und Anforderungen zur Deklaration entsprechender Stoffe.

    Darüber hinaus wird künftig eine zusätzliche Konformitätserklärung gefordert, die Informationen zu Recyclingfähigkeit, PFAS-Gehalten, Schwermetallen und weiteren umweltrelevanten Aspekten enthalten soll.

    Wo Unternehmen heute die größten Risiken haben

    Aus Sicht der Praxis zeigen sich derzeit vor allem drei kritische Bereiche:

    1. Importierte Materialien

    Importeure übernehmen rechtlich die Herstellerverantwortung. Konformitätserklärungen allein reichen nicht aus. Erforderlich sind belastbare technische Unterlagen und Prüfberichte, die die enthaltenen Aussagen belegen.

    2. Unzureichende Rohstoffinformationen

    Gerade bei Stoffen mit technischen Reinheiten von beispielsweise 80–90 % fehlen häufig Informationen über Nebenbestandteile, Verunreinigungen oder Reaktionsprodukte. Diese Daten werden aber zunehmend für die NIAS-Bewertung benötigt.

    3. Rezyklate im Lebensmittelkontakt

    Mit den steigenden Anforderungen der PPWR werden Recyclingmaterialien an Bedeutung gewinnen. Gleichzeitig stellen sie die Risikobewertung vor neue Herausforderungen, da zusätzliche NIAS, Additive und unerwartete Kontaminationen auftreten können.

    Paperization ist keine einfache Lösung

    Parallel zum Kunststoffrecycling wächst der Trend zur sogenannten „Paperization“, also zum Ersatz von Kunststoffanteilen durch papierbasierte Lösungen.

    Doch Papier löst die regulatorischen Herausforderungen nicht automatisch. Papier enthält ebenfalls Zusatzstoffe, Bindemittel, Druckfarben und funktionelle Beschichtungen. Zudem existiert bislang keine europaweite Einzelmaßnahme für Papier im Lebensmittelkontakt. Die Bewertung erfolgt häufig auf Basis nationaler Empfehlungen und Regelwerke.

    Hinzu kommt, dass Papier aufgrund seiner höheren Diffusionsoffenheit migrationsrelevante Fragestellungen teilweise sogar verstärken kann. Auch hier werden in den nächsten Jahren weitere Prüf- und Bewertungsverfahren erforderlich sein.

    Fazit

    Die Anforderungen an Lebensmittelverpackungen wachsen weiterhin. Klassische Themen wie Konformitätserklärungen, Migrationsprüfungen und Stoffbewertungen bleiben unverzichtbar. Gleichzeitig entstehen durch PPWR, PFAS-Regulierung, Recyclingquoten und Rezyklate neue Herausforderungen.

    Für Hersteller bedeutet dies vor allem eines:

    Transparente Lieferketten, belastbare Dokumentation und fundierte Prüfungen werden künftig noch wichtiger als heute.

    Nur wer seine Materialien, Rohstoffe und potenziellen Risiken kennt, wird langfristig sichere und rechtskonforme Verpackungslösungen anbieten können.

  • Präzisere OTR-Analyse für Hochbarriere-Verpackungen

    Präzisere OTR-Analyse für Hochbarriere-Verpackungen

    Auf einen Blick

    Der INNOFORM Testservice erweitert die OTR-Messung nach ISO 15105-2 um eine Variante mit 100 % Sauerstoff als Permeant. Damit sinkt die Bestimmungsgrenze für die Sauerstoffdurchlässigkeit um den Faktor 5 — entscheidend für Hochbarriere-Verpackungen in Pharma, Lebensmittel und technischen Anwendungen, deren Permeationsraten mit Standardprüfungen (21 % O₂ aus Luft) nicht mehr zuverlässig auflösbar sind.

    Wenn Standardmethoden für ultra hohe Barrieren nicht mehr ausreichen

    Die präzise Messung der Sauerstoffdurchlässigkeit (OTR) wird bei modernen Hochbarriere-Verpackungen zunehmend zur Herausforderung. Standardmethoden stoßen bei extrem niedrigen Permeationsraten an ihre Grenzen. Der INNOFORM Testservice erweitert daher die OTR-Prüfung nach ISO 15105-2 durch den Einsatz von 100 % Sauerstoff – für deutlich höhere Sensitivität und verlässliche Messergebnisse auch im niedrigsten Messbereich.

    Extrem geringe Sauerstoffdurchlässigkeiten sind mit konventionellen Prüfbedingungen oft kaum noch messbar — der gemessene Stofffluss liegt nahe der Bestimmungsgrenze des Geräts, die Messunsicherheit dominiert das Ergebnis.

    Unser Ansatz: Mehr Sensitivität durch 100 % Sauerstoff

    Um auch kleinste Permeationsraten zuverlässig an fertigen Verpackungen oder Verschlüssen zu erfassen, setzen wir bei der Prüfung nach ISO 15105-2 gezielt auf reinen Sauerstoff als Permeant.

    Das Prinzip ist einfach – die Wirkung entscheidend:

    Ein deutlich erhöhter Sauerstoffpartialdruck steigert den messbaren Fluss, ohne das Materialverhalten zu verfälschen.

    Ihr Vorteil: Klarheit, wo andere an Grenzen stoßen

    Durch diese optimierten Prüfbedingungen erreichen wir eine um den Faktor 5 reduzierte Bestimmungsgrenze.

    Das bedeutet für Sie:

    • Sichere Messbarkeit extrem niedriger OTR-Werte
    • Präzise Vergleichbarkeit von Hochbarrierematerialien
    • Fundierte Entscheidungsgrundlage für Entwicklung und Qualitätssicherung

    Gerade in sensiblen Bereichen wie Pharma, Lebensmittel oder technischen Anwendungen ist diese zusätzliche Genauigkeit ein entscheidender Wettbewerbsvorteil.

    Fazit

    Mit unserer erweiterten OTR-Prüfung schaffen wir Differenzierung dort, wo Standardmethoden nicht mehr ausreichen, und liefern Ihnen die Daten, die Sie beispielsweise für die Berechnung des Mindesthaltbarkeitsdatums Ihrer verpackten Lebensmittel benötigen.

    Häufige Fragen zur OTR-Messung an Hochbarriere-Verpackungen

    Was bedeutet OTR?

    OTR steht für Oxygen Transmission Rate — die Sauerstoffdurchlässigkeit eines Verpackungsmaterials. Sie beschreibt, wie viel Sauerstoff pro Fläche und Zeit durch eine Folie oder Verpackung migriert, üblicherweise in cm³/(m²·d·bar). Bei Hochbarrierefolien liegen die Werte oft unter 1 cm³/(m²·d) und damit nahe der Auflösungsgrenze klassischer Verfahren.

    Warum 100 % Sauerstoff statt Umgebungsluft?

    In atmosphärischer Luft liegt der Sauerstoffpartialdruck bei rund 0,21 bar. Mit reinem Sauerstoff steigt er auf 1 bar — der treibende Konzentrationsgradient verfünffacht sich. Da die Permeation proportional zum Partialdruckunterschied ist (Permeationsmechanismus), wird auch der messbare Fluss um den Faktor 5 größer. Die materialspezifische Permeabilität bleibt unverändert, nur das Messsignal liegt deutlicher über der Bestimmungsgrenze.

    Für welche Verpackungen ist die Methode relevant?

    Besonders für Hochbarriere-Verpackungen in Pharma, MAP-Lebensmitteln (Modified Atmosphere Packaging), sauerstoffempfindlichen Diagnostika und technischen Anwendungen. Typische Beispiele: metallisierte Verbunde, EVOH-haltige Multilayer, SiOx- oder AlOx-beschichtete Folien sowie Aluminium-Verbundfolien an fertigen Beuteln, Flaschen, Bechern und Verschlüssen.

    Bleiben die Ergebnisse mit ISO 15105-2 vergleichbar?

    Ja. Die Prüfung erfolgt weiterhin nach ISO 15105-2; lediglich die Permeant-Konzentration wird auf 100 % O₂ erhöht. Klima, Probenahme und Auswertung bleiben normkonform. Auf Wunsch dokumentieren wir den Wert sowohl auf 1 bar Partialdruck als auch — durch lineare Umrechnung — als äquivalenten Luftwert (21 % O₂), um die Vergleichbarkeit mit historischen Daten und Lieferantenspezifikationen sicherzustellen.

  • PFAS in flexiblen Verpackungen: Analytische Orientierung über Gesamtfluorbestimmung

    PFAS in flexiblen Verpackungen: Analytische Orientierung über Gesamtfluorbestimmung

    Die Diskussion rund um PFAS in Verpackungen hat in den letzten Monaten deutlich an Dynamik gewonnen. Spätestens mit den Grenzwerten der PPWR stehen viele Unternehmen vor der gleichen Frage:
    Wie lassen sich PFAS in flexiblen Verpackungen zuverlässig nachweisen – und welche analytische Vorgehensweise ist sinnvoll?

    Im Rahmen eines Inno-Talks hat Dr. Tim Schlüter (Innoform Testservice) den aktuellen Stand der Analytik vorgestellt. Die zentrale Erkenntnis daraus:
    „Es gibt derzeit keine harmonisierte Analysenmethode – aber es gibt praktikable Wege, PFAS belastbar einzugrenzen.“

    Genau hier setzt das erweiterte Prüfangebot im Innoform Testservice an.


    PFAS-Analytik: Herausforderung und Realität

    PFAS umfassen eine sehr große Stoffgruppe mit mehreren tausend potenziellen Verbindungen. Eine vollständige Einzelstoffanalyse ist daher in der Praxis kaum umsetzbar.

    Gleichzeitig fordert die PPWR klare Grenzwerte für Verpackungen mit Lebensmittelkontakt. Daraus ergibt sich ein Spannungsfeld:

    • sehr niedrige Grenzwerte
    • komplexe Stoffgruppen
    • fehlende standardisierte Prüfmethoden

    Die Analytik muss daher pragmatisch vorgehen und mit geeigneten Screening-Strategien arbeiten.


    Zusatzherausforderung bei Polyolefinen

    Besonders relevant ist dies für Polyolefine wie PE und PP, die einen großen Anteil flexibler Verpackungssysteme ausmachen.

    In der Praxis werden PFAS hier häufig gezielt eingesetzt:

    • bereits im Rohstoff als Additiv
    • während der Folienextrusion als Verarbeitungshilfe

    Ziel dieser sogenannten Processing Aids ist es,

    • die Schmelzeigenschaften zu verbessern
    • den Materialfluss im Extruder zu stabilisieren
    • die Oberflächenqualität der Folie zu optimieren

    Diese funktionalen Zusätze können dazu führen, dass auch bei vermeintlich unkritischen Materialien messbare Fluorgehalte auftreten.

    Für die Bewertung bedeutet das:
    PFAS-Einträge sind häufig systembedingt und nicht immer vollständig dokumentiert. Eine analytische Überprüfung ist daher notwendig.


    Gesamtfluor als Schlüssel zur schnellen Orientierung

    Ein zentraler Ansatz ist die Bestimmung des Gesamtfluorgehalts (Total Fluorine, TF).

    Dieser ermöglicht:

    • eine schnelle Einschätzung potenzieller PFAS-Gehalte
    • eine Priorisierung von Materialien
    • eine gezielte Auswahl weiterer Prüfungen

    Die Methode basiert auf der Verbrennung der Probe mit anschließender Bestimmung des Fluorgehalts.

    Vorteil

    • Erfassung aller fluorhaltigen Bestandteile
    • unabhängig von bekannten Einzelstoffen
    • geeignet als Screeningmethode

    Einschränkung

    • keine direkte Aussage über einzelne PFAS
    • weitere Analyseschritte erforderlich

    Differenzierung: Wo steckt das relevante Fluor?

    Zur genaueren Bewertung wird der Gesamtfluorgehalt weiter differenziert in:

    • anorganisches Fluor (TIF)
    • organisches Fluor (TOF)

    Der organische Fluoranteil ist dabei besonders relevant, da hier mögliche PFAS enthalten sind. Dieser wird aus der Differenz von Gesamtfluor und anorganischem Fluor abgeleitet.

    Das Verfahren erfordert:

    • reproduzierbare Messbedingungen
    • abgestimmte Temperaturführung
    • Erfahrung in der Interpretation

    Grenzen der aktuellen Methodik

    Die im regulatorischen Umfeld diskutierten Verfahren sind nicht uneingeschränkt geeignet.

    Insbesondere zeigen sich Einschränkungen bei:

    • unvollständigen Umsetzungen einzelner Verfahren
    • methodischen Unterschieden zwischen Leitlinien und praktischer Umsetzung

    Die Analytik liefert daher vor allem eines:
    eine belastbare Orientierung, aber noch keine vollständige Standardisierung.


    Praxisfrage aus dem Inno-Talk

    Eine häufig gestellte Frage aus dem Inno-Talk lautete:

    Muss geprüft werden, wenn keine PFAS absichtlich eingesetzt werden?

    Die Antwort ist eindeutig:

    • Entscheidend ist der PFAS-Gehalt im Material
    • die Herkunft der Substanz ist regulatorisch zweitrangig

    Auch unbeabsichtigte Einträge aus Rohstoffen, Additiven oder Prozessen müssen berücksichtigt werden.


    Innoform Testservice: Erweiterte Kapazitäten für PFAS-Analysen

    Um den steigenden Anforderungen gerecht zu werden, hat der Innoform Testservice seine Kapazitäten erweitert.

    Aktuell können wir:

    • Gesamtfluor-Bestimmungen routinemäßig durchführen
    • Differenzierungen zwischen anorganischem und organischem Fluor anbieten
    • Materialien systematisch hinsichtlich PFAS-Risiken bewerten
    • auch größere Probenumfänge kurzfristig bearbeiten

    Damit stellen wir die notwendige analytische Kapazität bereit, um Unternehmen eine fundierte Orientierung zum PFAS-Gehalt ihrer Verpackungen zu geben.


    Inno-Talk als Aufzeichnung verfügbar

    Die Inhalte dieses Beitrags basieren auf dem Inno-Talk zur PFAS-Analytik mit Dr. Tim Schlüter.

    Die Aufzeichnung ist weiterhin abrufbar und bietet:

    • detaillierte Einblicke in die Prüfmethoden
    • praktische Beispiele
    • Antworten auf typische Fragestellungen aus der Industrie

    Fazit

    Die regulatorischen Anforderungen sind definiert, die analytischen Standards entwickeln sich noch.

    Für Unternehmen bedeutet das:

    • strukturiert vorgehen
    • Risiken verstehen
    • Analytik gezielt einsetzen

    Die Gesamtfluorbestimmung bietet hierfür einen praktikablen Einstieg.

    Mit den erweiterten Kapazitäten unterstützt der Innoform Testservice dabei,
    PFAS in flexiblen Verpackungen verlässlich einzuordnen und fundierte Entscheidungen zu treffen.

    Messung des Gesamtfluorgehaltes zur Bewertung der PFAS Konformität
  • ISO/IEC 17025 – Akkreditierung als Qualitätsversprechen: Aufwand, Nutzen und die Realität im Laboralltag

    ISO/IEC 17025 – Akkreditierung als Qualitätsversprechen: Aufwand, Nutzen und die Realität im Laboralltag

    Die Akkreditierung eines Prüflaboratoriums nach ISO/IEC 17025 gilt als internationaler Goldstandard der Laborqualifikation. Doch was steckt hinter dem Zertifikat – und lohnt sich der Aufwand wirklich? Ein nüchterner Blick auf Anforderungen, Prozesse und konkreten Mehrwert.


    Was ist ISO/IEC 17025 – und warum ist sie relevant?

    Die ISO/IEC 17025 ist die weltweit gültige Norm für die Kompetenz von Prüf- und Kalibrierlaboratorien. Sie wird von nationalen Akkreditierungsstellen – in Deutschland durch die DAkkS (Deutsche Akkreditierungsstelle GmbH) – vergeben und ist die Grundlage für die internationale Anerkennung von Prüfergebnissen im Rahmen multilateraler Abkommen (z. B. ILAC MRA).

    Ohne Akkreditierung sind Prüfberichte in vielen regulierten Bereichen – Lebensmittelsicherheit, Medizintechnik, Verpackung, Bauwesen – schlicht nicht verkehrsfähig.


    Der Akkreditierungsprozess: Was Labore tatsächlich leisten müssen

    Eine Erstzertifizierung ist kein einmaliger Verwaltungsakt. Die Norm fordert ein vollständig dokumentiertes Managementsystem, das strukturelle, personelle und technische Anforderungen gleichermaßen abdeckt. Zu den zentralen Pflichten gehören:

    • Kompetenznachweis des Personals – Qualifikation, Schulungsnachweis und regelmäßige Bewertung aller prüfenden Mitarbeitenden
    • Rückverfolgbarkeit von Messungen – Kalibrierung aller Messmittel nach nationalen und internationalen Referenzstandards
    • Validierung und Verifizierung von Prüfmethoden – Eigenentwicklungen und normbasierte Methoden müssen nachweislich beherrscht werden
    • Umgebungsbedingungen und Gerätemanagement – kontrollierte, dokumentierte Prüfbedingungen als Voraussetzung für reproduzierbare Ergebnisse
    • Unparteilichkeit und Vertraulichkeit – strukturelle Maßnahmen gegen Interessenkonflikte, verankert in der Aufbauorganisation

    Hinzu kommen regelmäßige interne Audits, Managementbewertungen sowie externe Überwachungsaudits durch die Akkreditierungsstelle – in der Regel im Zweijahresrhythmus, mit vollständiger Wiederbegutachtung nach fünf Jahren.


    Der reale Aufwand – klar beziffert

    Ehrlichkeit ist hier geboten: Eine Erstakkreditierung bindet erhebliche Ressourcen. Erfahrungswerte zeigen, dass mittelgroße Laboratorien mit sechs bis zwölf Monaten Vorlaufzeit rechnen müssen. Die Hauptlast liegt in der Erstellung und Pflege eines Qualitätsmanagementsystems, der Methodenvalidierung sowie der Schulung und Qualifizierung des Personals.

    Laufende Kosten entstehen durch Kalibrierzyklen, Ringversuche zur Methodenbestätigung und den administrativen Aufwand der Auditierung. Wer diesen Aufwand unterschätzt, gefährdet nicht das Zertifikat – sondern die Glaubwürdigkeit des gesamten Betriebs.


    Der Mehrwert: Was Akkreditierung für Labore und deren Kunden bedeutet

    • Für das Labor:
      Systematisch bessere Prozesse, reduzierte Fehlerquoten, klare Verantwortlichkeiten und eine strukturierte Grundlage für die Weiterentwicklung von Prüfverfahren. Akkreditierung schafft intern Verbindlichkeit, die ohne externen Druck oft fehlt.
    • Für den Kunden:
      Akkreditierte Prüfberichte sind international anerkannt und gerichtsverwertbar. Die Rückverfolgbarkeit jeder Messung auf SI-Einheiten und die lückenlose Dokumentation schaffen ein Vertrauensniveau, das kein ISO-9001-Zertifikat allein erreicht. Für Unternehmen mit regulierten Lieferketten ist die Beauftragung eines akkreditierten Labors nicht Kür – sondern Pflicht.

    Fazit: Akkreditierung ist kein Selbstzweck

    ISO/IEC 17025 ist anspruchsvoll, teuer und aufwendig. Genau das ist ihr Wert. Labore, die diese Norm konsequent umsetzen, liefern messbar zuverlässigere Ergebnisse – und ihre Kunden können auf dieser Basis fundierte Entscheidungen treffen.

    Akkreditierung ist kein Marketinginstrument. Sie ist ein technischer Nachweis, der täglich neu verdient werden muss.

    Sie möchten wissen, ob Ihre Prüfergebnisse auf akkreditierter Basis erstellt werden? Sprechen Sie uns an – wir begleiten Sie durch den gesamten Prozess, transparent und ohne Versprechen, die wir nicht halten können.

  • EU schafft Klarheit für Stretch-Folien & Hauben

    EU schafft Klarheit für Stretch-Folien & Hauben

    Mit der neuen europäischen Verpackungsverordnung (PPWR) herrscht in vielen Unternehmen der Verpackungsindustrie noch Unsicherheit. Besonders betroffen: Palettenumhüllungen und Umreifungsbänder, die tagtäglich für den sicheren Warentransport eingesetzt werden.
    Ein delegierter Beschluss der EU‑Kommission bringt nun wichtige Klarheit – und Entlastung für Anwender flexibler Verpackungen.

    Worum geht es konkret?

    Die PPWR sieht für Transportverpackungen langfristig ambitionierte Wiederverwendungsziele vor. Für bestimmte Anwendungsfälle war sogar eine hundertprozentige Wiederverwendbarkeit vorgesehen – etwa beim innerbetrieblichen Transport oder zwischen Unternehmen im selben Mitgliedstaat.

    Genau hier setzt der Delegierte Beschluss (EU)  2026/429 an:
    Er nimmt Palettenumhüllungen (z. B. Stretchfolien) und Umreifungsbänder, die zur Sicherung palettierter Waren eingesetzt werden, von dieser 100‑%‑Wiederverwendungspflicht aus.

    Die wichtigsten Aussagen des Beschlusses – kurz erklärt

    Für Unternehmen der flexiblen Verpackungsindustrie bedeuten die neuen Regelungen vor allem eines: Realismus statt Pauschalvorgaben.

    • Keine Pflicht zu 100 % Mehrweg bei Palettenfolien
      Stretchfolien und Umreifungsbänder dürfen weiterhin als Einweg‑Lösungen eingesetzt werden, auch im innerbetrieblichen oder nationalen Transport.
    • Anerkennung technischer und wirtschaftlicher Grenzen
      Die EU‑Kommission stellt klar, dass eine vollständige Umstellung auf wiederverwendbare Palettenumhüllungen derzeit mit unverhältnismäßig hohen Kosten, fehlender Marktreife automatisierter Systeme und möglichen Störungen der Lieferketten verbunden wäre.
    • Systemziele bleiben bestehen
      Das allgemeine Wiederverwendungsziel von 40 % für Transportverpackungen bleibt jedoch erhalten. Dabei können unterschiedliche Verpackungsformate miteinander verrechnet werden.

    Was bedeutet das für die Praxis?

    Für Anwender und Hersteller flexibler Verpackungen ist der Beschluss ein wichtiges Signal:

    „Nicht jede Verpackung ist im heutigen Stand der Technik sinnvoll und wirtschaftlich wiederverwendbar – und genau das erkennt die EU‑Kommission hier ausdrücklich an.“

    Einweg‑Stretchfolien bleiben damit ein anerkanntes und notwendiges Verpackungsmittel, sofern sie funktional, sicher und effizient eingesetzt werden. Der Fokus verschiebt sich weg von pauschalem Mehrweg hin zu sachgerechten Systemlösungen, bei denen Produktschutz, Logistik und Nachhaltigkeit gemeinsam betrachtet werden.

    Einordnung aus Sicht des Testservice

    Dieser Beschluss bestätigt eine zentrale Erkenntnis aus der Praxis für Verpacker und Hersteller von Stretchfolien: Nachhaltigkeit lässt sich nicht ausschließlich an der Wiederverwendbarkeit festmachen. Auch der Materialeinsatz, der Produktschutz, die Prozesssicherheit und die Recyclingfähigkeit spielen eine entscheidende Rolle.

    Der neue EU‑Beschluss schafft damit Planungssicherheit – und eine belastbare Grundlage für sachliche Diskussionen rund um Verpackungsstrategien unter der PPWR.

  • Fettbarriere von faserbasierten Verpackungen verstehen – warum Prüfungen entscheidend sind 

    Fettbarriere von faserbasierten Verpackungen verstehen – warum Prüfungen entscheidend sind 

    Fetthaltige Lebensmittel stellen Verpackungen vor besondere Herausforderungen. Fette können Materialien durchdringenoptisch beeinträchtigen oder bereits beim ersten Kontakt problematisch sein. Genau deshalb spielen Prüfungen wie Fettdichte, Fettdurchlässigkeit und Fettabweisung eine zentrale Rolle – sowohl in der Entwicklung als auch in der Qualitätssicherung. 

    Dabei lassen sich zwei grundlegende Perspektiven unterscheiden: 

    • Barrierewirkung (Fettdichte & Fettdurchlässigkeit) → Verhalten im Material  
    • Fettabweisung (Lipophobie) → Verhalten auf der Oberfläche  

    Erst das Zusammenspiel dieser beiden Ansätze ermöglicht eine realistische Bewertung. 

    Fettdichte & Fettdurchlässigkeit – die Barriere entscheidet langfristig 

    Fettdichte und Fettdurchlässigkeit beschreiben gemeinsam die Fähigkeit eines Materials, Fett zurückzuhalten und dessen Durchtritt zu begrenzen

    • Fettdurchlässigkeit zeigt, wie stark und wie schnell Fett durch ein Material migriert  
    • Fettdichte beantwortet die Frage, ob diese Barriere für die Anwendung ausreichend ist  

    Warum ist das relevant? 

    Im praktischen Einsatz geht es vor allem um die Langzeitwirkung

    • Schutz des Produkts über die gesamte Lagerdauer  
    • Vermeidung von Durchfettung und strukturellem Materialversagen  
    • Sicherstellung der funktionalen Eigenschaften der Verpackung  

    Kernfrage: 
    Hält das Material Fett zuverlässig zurück? 

    Fettabweisung (KIT-Test) – die Oberfläche ist der erste Kontakt 

    Die Fettabweisung beschreibt das Verhalten von Fett an der Materialoberfläche

    • Fett kann entweder abgewiesen werden oder  
    • es benetzt und dringt ein  

    Der KIT-Test liefert hierzu eine standardisierte Bewertung über einen Kennwert (KIT-Stufe) . 

    Warum ist das relevant? 

    Die Oberfläche entscheidet oft über den ersten Eindruck und die kurzfristige Performance

    • Vermeidung sichtbarer Fettflecken  
    • Einfluss auf den Verbrauchereindruck  
    • Schutz vor initialer Benetzung und dadurch eingeleiteter Durchdringung  

    Kernfrage: 
    Was passiert beim ersten Kontakt zwischen Fett und Verpackung? 

    Struktur vs. Oberfläche – zwei Seiten derselben Medaille 

    Eigenschaft  Fettdichte & Fettdurchlässigkeit  Fettabweisung (KIT) 
    Fokus  Materialstruktur  Oberfläche 
    Aussage  Migrationsverhalten  Benetzungsresistenz 
    Zeithorizont  Langzeitbewertung  Schnelltest 
    Bedeutung  Funktionale Barriere  Optik & Erstkontakt 

    Warum beide Prüfungen in der Praxis notwendig sind 

    Ein hoher KIT-Wert allein garantiert keine hohe Fettdichte. Das Fettverhalten ist immer das Ergebnis mehrerer Effekte – und genau das macht die kombinierte Betrachtung so wichtig: 

    • Gute Fettabweisung kann die Anhaftung vom Fett verzögern, aber keine Barriere ersetzen 
    • Gute Barriereeigenschaften verzögern Durchtritt, aber nicht zwangsläufig Fleckenbildung
    • Materialien – insbesondere papierbasierte – zeigen oft ein zeitabhängiges Verhalten  

    Typische Auswirkungen in der Praxis 

    • Reklamationen: sichtbare Fettflecken trotz ausreichender Barriere
    • Qualitätsprobleme: Durchfettung bei längerer Lagerung, Sensorische Beeinträchtigung
    • Prozessstörungen: Fett beeinflusst Siegeln, Kleben, mechanische Stabilität oder Handling  

    Gerade im Zuge nachhaltiger Verpackungslösungen (z. B. papierbasierte Systeme) gewinnt dieses Zusammenspiel zusätzlich an Bedeutung. 

    Einordnung entlang der Anwendung 

    • Produktentwicklung: 
      Kombination aus Barrierebewertung und Oberflächenanalyse  
    • Qualitätssicherung: 
      Klare Anforderungen an Fettdichte, ergänzt durch KIT-Werte  
    • Materialoptimierung: 
      Gezielte Anpassung von Beschichtungen und Strukturen  

    Fazit 

    Die Bewertung von Fettverhalten lässt sich auf zwei zentrale Fragen reduzieren: 

    • Was passiert im Material? → Fettdichte & Fettdurchlässigkeit  
    • Was passiert auf der Oberfläche? → Fettabweisung  

    Beide Aspekte sind untrennbar miteinander verbunden. Nur wer sie gemeinsam betrachtet, kann Verpackungen entwickeln, die sowohl funktional als auch optisch überzeugen – vom ersten Kontakt bis zur langfristigen Anwendung. 

  • Auswirkungen der EU‑Verordnung 2022/1616 auf flexible Verpackungen

    Auswirkungen der EU‑Verordnung 2022/1616 auf flexible Verpackungen

    Worum geht es?

    Die EU‑Verordnung 2022/1616 regelt, wie Kunststoffe recycelt werden dürfen, wenn sie später wieder mit Lebensmitteln in Kontakt kommen sollen.
    Sie soll sicherstellen, dass Rezyklate keine gesundheitsschädlichen Stoffe enthalten.

    Für die flexible Verpackungsindustrie (Folien, Beutel, Verbunde) hat diese Verordnung sehr konkrete Folgen.


    1. Der wichtigste Punkt vorweg

    Nicht jedes Recyclingmaterial darf für Lebensmittelverpackungen verwendet werden.
    Entscheidend ist nicht, ob ein Material „recycelt“ ist, sondern:

    • wie es recycelt wurde
    • welches Verfahren genutzt wurde
    • woher das Abfallmaterial stammt

    2. Was ist aktuell erlaubt – und was nicht?

    ✅ Erlaubt (Stand April 2026)

    1. Mechanisches PET‑Recycling

    • Gilt nur für PET
    • Das Recyclingverfahren muss:
      • von der EFSA geprüft
      • und EU‑weit registriert sein
    • Funktioniert vor allem gut bei:
      • Flaschen
      • einfachen PET‑Folien (Monomaterial)

    Für PET‑basierte flexible Verpackungen ist das somit grundsätzlich nutzbar, wenn sie sortenrein sind.


    2. Recycling aus geschlossenen und kontrollierten Kreisläufen

    • Material stammt aus definierten, überwachten Systemen
    • Beispiele:
      • Produktionsreste
      • Rücknahmesysteme
      • B2B‑Kreisläufe
    • Vorteil:
      • kaum Fremdstoffe
      • geringes Kontaminationsrisiko

    Diese Quellen sind sehr interessant für Folienhersteller, aber organisatorisch anspruchsvoll.


    Nicht erlaubt (für Lebensmittelkontakt) bzw. Anmeldung als “neue Technologie” erforderlich

    • Mechanisch recycelte PE‑ oder PP‑Folien aus Haushaltsabfällen
    • Multilayer‑Rezyklate aus offenen Sammelsystemen
    • Rezyklate ohne nachgewiesene Dekontaminationsleistung

    Diese Materialien dürfen nicht für Lebensmittelverpackungen eingesetzt werden. Nach Anmeldung bei der Behörde als “neue Technologie” ist eine Verwendung mit Einhaltung einiger Vorgaben unter Beobachtung erlaubt.


    3. Warum trifft das flexible Verpackungen besonders?

    Flexible Verpackungen haben drei strukturelle Nachteile:

    1. Viele Materialkombinationen
      Verbunde lassen sich schwer eindeutig bewerten
    2. Hohe Oberfläche
      mehr Kontakt zu möglichen Verunreinigungen
    3. Offene Stoffströme
      Herkunft und frühere Nutzung oft unbekannt

    Die Verordnung geht davon aus:

    Wenn man nicht genau weiß, was vorher im Kunststoff war und wie er aufgebaut ist, darf man ihn nicht einfach wieder für Lebensmittel einsetzen.


    4. Chemisches Recycling – die Hoffnung, aber noch keine Lösung

    Chemisches Recycling wird in der Verordnung erwähnt, ist aber:

    • noch nicht allgemein zugelassen
    • nur als „neue Technologie“ unter Beobachtung erlaubt

    Für flexible Verpackungen ist gerade das chemische Recycling strategisch wichtig, aber es gibt noch keine allgemeine regulatorische Freigabe.


    5. Was bedeutet das konkret für die Branche?

    • PET gewinnt weiter an Bedeutung
    • Design for Recycling wird Pflicht, nicht Kür
    • PE/PP‑PCR für Food bleibt stark eingeschränkt

    Unternehmen müssen künftig beantworten können:

    • Woher kommt das Rezyklat?
    • Welches Verfahren wurde genutzt?
    • Ist der Prozess zugelassen und registriert?

    6. Strategische Konsequenzen für Hersteller flexibler Verpackungen

    Die Verordnung lenkt die Branche klar in Richtung:

    • weniger Materialien
    • einfachere Strukturen
    • kontrollierte Kreisläufe
    • frühe Abstimmung zwischen Design, Recycling und Regulierung

    Recyclingfähigkeit wird zur Zulassungsfrage, nicht nur zur Nachhaltigkeitsaussage.


    Fazit

    Die EU‑Verordnung 2022/1616 ist kein Recycling‑Verbot, aber eine klare Marktselektion:

    Nur Rezyklate aus nachweislich sicheren Verfahren dürfen in Lebensmittel‑Flexpack eingesetzt werden.

  • NEU: PFAS-Analyse mittels Gesamtfluorbestimmung

    NEU: PFAS-Analyse mittels Gesamtfluorbestimmung

    Mit Inkrafttreten der PPWR-Verordnung (Verordnung (EU) 2025/40 über Verpackungen und Verpackungsabfälle) sind Erzeuger von Verpackungen ab dem 12. August 2026 verpflichtet, eine Konformitätserklärung gemäß Artikel 39 zu erstellen. Aus dieser muss hervorgehen, dass die Anforderungen gemäß der Artikel 5 bis 12 nachgewiesen bzw. bestätigt werden. 

    Der Artikel 5 Absatz 5 enthält dabei konkrete Grenzwerte für per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen (PFAS) in Verpackungsmaterialien, die mit Lebensmitteln in Berührung kommen, und definiert ein dreistufiges Grenzwertsystem: 

    • 25 ppb für einzelne PFAS (gezielt analysiert), 
    • 250 ppb für die Summe dieser Stoffe sowie 
    • 50 ppm für den Gesamtgehalt an PFAS, einschließlich polymerer Verbindungen (ermittelt über den Gesamtfluorgehalt)

    Bei der Erstellung der Konformitätserklärung verlangt die PPWR, dass ein Konformitätsbewertungsverfahren gemäß Anhang VII durchgeführt wird. Dieses Verfahren wird durch eine technische Dokumentation unterstützt. Diese muss eine „angemessene Analyse und Bewertung der Risiken der Nichtkonformität“ enthalten und kann, falls erforderlich, durch Prüfberichte oder ähnliche Nachweise ergänzt werden (Anhang VII Artikel 2). 

    Wenn entlang der Lieferkette belegt ist, dass keine PFAS in den verwendeten Rohstoffen enthalten sind und während der Produktion in das Produkt gelangen können, kann bei entsprechender Risikobewertung auf analytische Prüfungen verzichtet werden. 

    Liegt jedoch keine zweifelsfreie Bestätigung vor (z.B. weil Informationen fehlen), ist es empfehlenswert, geeignete Prüfungen bzw. Plausibilitätskontrollen durchzuführen, um die PFAS-Freiheit des Verpackungsmaterials abzusichern. 

    In den meisten Folienverpackungen, insbesondere solchen aus PE und PP, ist davon auszugehen, dass sie PFAS enthalten. (Karsten Schröder)

    In einem Ende 2025 angekündigten Leitfaden der EU-Kommission zur PPWR-Verordnung wird folgende Analysenstrategie vorgeschlagen: 

    1. Bestimmung des Gesamtfluorgehalts (TF): Sofern der TF unterhalb von 50 ppm liegt, soll das Material als konform betrachtet werden, weitere Analysen sind nicht notwendig. 
    2. Liegt der Gesamtfluorgehalt über 50 ppm soll zwischen organischem Fluor (TOF) und anorganischem Fluor (TIF) unterschieden werden. Liegt der Gehalt an organischem Fluor unterhalb von 50 ppm, ist das Material als konform zu betrachten. Liegt der Gehalt oberhalb von 50 ppm, wäre das Material abschließend nicht-konform. Weitere Analysen zur Einhaltung der Grenzwerte gemäß Artikel 5 Absatz 5 a) und b) wären möglich, da das Material jedoch bereits als nicht-konform bewertet wurde, nicht vorgeschrieben bzw. empfehlenswert. 

    Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, bietet der Innoform Testservice bereits seit Anfang 2025 Prüfungen des Gesamtfluorgehalts sowie des organischen Fluorgehalts (jeweils als Untervergabe) an. 

    Aufgrund der verstärkten Nachfrage hat der Innoform Testservice begonnen, eine eigene, interne Analysenmethode einzuführen. Mittels Combustion Ion Chromatography (CIC) erfolgt auf Basis der DIN EN 17813 die Bestimmung des Gesamtfluorgehalts mittels oxidativer pyrohydrolytischer Verbrennung, gefolgt von einer Ionenchromatographie, welche optimal geeignet ist, die Einhaltung des Grenzwerts von 50 ppm sicherzustellen. 

  • Innoform Testservice für 67 genormte Prüfungen akkreditiert

    Innoform Testservice für 67 genormte Prüfungen akkreditiert


    Der Innoform Testservice verfügt aktuell über 67 akkreditierte Prüfverfahren nach DIN EN ISO/IEC 17025:2018. Damit zählt das Labor zu den umfassendsten spezialisierten Prüfstellen für folienbasierte und flexible Verpackungen in Europa.

    Nutzen einer Akkreditierung und warum Kunden darauf bestehen sollten

    Eine Akkreditierung nach DIN EN ISO/IEC 17025 bestätigt die technische Kompetenz eines Prüflabors und stellt sicher, dass Prüfungen mit validierten, international anerkannten Verfahren durchgeführt werden. Für Kunden bedeutet dies präzise und reproduzierbare Ergebnisse, die weltweit akzeptiert werden und regulatorischen Anforderungen entsprechen. Akkreditierte Labore unterliegen einer regelmäßigen externen Überwachung, was eine dauerhaft hohe Datenqualität sicherstellt. Dadurch sinkt das Risiko fehlerhafter oder nicht vergleichbarer Prüfberichte erheblich. Insbesondere in globalen Lieferketten, bei Konformitätsbewertungen und bei Produktsicherheitsfragen profitieren Unternehmen von der Rechtssicherheit, die nur akkreditierte Prüfberichte bieten.

    Leistungsumfang der Akkreditierung

    Die akkreditierten Methoden decken zentrale Bereiche der Flexpack‑Analytik ab:

    • Mechanische Eigenschaften
    • Permeations- und Barrierekennwerte
    • Siegel- und Öffnungskräfte
    • Migration und Lebensmittelkontakt
    • Sensorik
    • Materialanalyse sowie ergänzende Innoform‑Hausverfahren

    Auswahl bekannter und häufig angefragter Normen

    Mechanik

    • ASTM D 882 – Zugeigenschaften dünner Kunststofffolien
    • ASTM D 1709 – Schlagfestigkeit (Freifall-Dart)
    • DIN EN ISO 527-3 – Zugversuch für Folien und Tafeln
    • DIN EN 14477 – Durchstoßfestigkeit

    Permeation

    • ASTM F 1249 – Wasserdampfdurchlässigkeit (IR-Sensor)
    • ASTM D 3985 – Sauerstoffdurchlässigkeit (coulometrisch)
    • DIN EN ISO 15106-2 – WVTR-Messung (IR-Verfahren)

    Siegelnaht & Öffnungskräfte

    • ASTM F 88 – Siegelnahtfestigkeit
    • DIN 55529 – Siegelnahtfestigkeit
    • DIN 55409‑1/2 – Öffnungskräfte peelbarer Verpackungen

    Lebensmittelkontakt & Migration

    • DIN EN 1186‑1/2/3/13 – Gesamtmigration
    • DIN EN 13130‑1 – Spezifische Migration

    Sensorik

    • DIN 10955 – Sensorische Prüfung
    • DIN EN ISO 4120 – Dreieckstest
    • ISO 13302 – Geschmacksübertragung aus Packstoffen

    Einordnung

    Die Breite der Akkreditierung ermöglicht eine vollständige Bewertung flexibler Verpackungen über alle relevanten Prüfdisziplinen hinweg. Mit 67 akkreditierten Normen gehört der Innoform Testservice zu den führenden spezialisierten Flexpack-Prüflaboren in Europa und bietet seinen Kunden ein hohes Maß an Sicherheit, Vergleichbarkeit und fachlicher Tiefe.

    Dank der Akkreditierung sind Kunden-Audits überflüssig geworden und schon seit Jahren unüblich. Das senkt nicht nur Kosten und Aufwand, sondern gewährleistet auch eine kontinuierliche Qualitätssicherung und Weiterentwicklung durch externe Auditoren mit Weitblick und Sachverstand. Davon profitieren letztlich alle Innoform-Kunden.